© KD Busch

„Am Anfang herrscht krea­tives Chaos“

Mit seiner Schall­plat­ten­wasch­an­lage macht Reiner Gläss Musiklieb­haber welt­weit glück­lich. Im Gespräch verrät der Erfinder, wie er arbeitet.


Herr Gläss, wie kommt man dazu, eine Schall­plat­ten­wasch­an­lage zu entwi­ckeln?

Hochwertige Komponenten und zuverlässige Lieferanten sind für Reiner Gläss die Basis für erfolgreiche Produkte. (Foto | KD Busch)

Hoch­wer­tige Kompo­nenten und zuver­läs­sige Liefe­ranten sind für Reiner Gläss die Basis für erfolg­reiche Produkte. (Foto | KD Busch)

Ich bin da so rein­ge­rutscht. Als ich vor 20 Jahren mein eigenes Unter­nehmen gegrün­det habe, wusste ich ganz genau, dass ich nicht das ganze Leben in einer Firma an­gestellt sein möchte. Ich war schon immer ein krea­tiver Mensch. Darum habe ich zu­nächst Hi-Fi-Möbel gebaut. Viele Leute fanden das toll — nur gekauft hat sie keiner. Ein weiterer Meilen­stein war für mich die Entwick­lung einer Yin-und-Yang-Duft­lampe. Für die haben sich bereits einige Händler inter­es­siert und ich hatte eine Maschine zur Ferti­gung entwi­ckelt.

Aber dann kam mir die Audio­industrie in die Quere: Mein Berater beim Arbeitsamt fragte mich dann eines Tages, ob ich ihm eine Maschine bauen kann, um CDs anzu­fasen. Also habe ich das Gerät entwi­ckelt. Er war so begei­stert, dass er mir einen Hi-Fi-Händler zum Weiter­ver­kauf empfohlen hat — der be­stellte gleich drei davon. So bin ich mit dem Produkt in Serie gegangen. Parallel hatte ich einem Hi-Fi-Magazin ein Test­gerät ange­boten. Die haben den Bericht zu­sammen mit meiner Nummer veröf­fent­licht — ab da qualmte mein Telefon.

Wie kamen Sie dann von der CD auf die Platte?

Ein Fach­ma­gazin hatte mir ange­boten, mich auf deren Stand auf Europas größter High-End-Messe für die Hi-Fi-Branche zu präsen­tieren. Dort kamen immer mehr An­fragen, ob ich eine Schall­plat­ten­wasch­an­lage entwi­ckeln könnte. Ich habe damals nicht wirk­lich einen Markt dafür gesehen — das war mir zu sehr Nische. Mit der Zeit kamen aber immer mehr Anrufe, ob ich schon etwas entwickle.

Also gab ich auf mei­ner Website bekannt, dass ich für die Analog­frak­tion eine voll­au­to­ma­ti­sche Schall­plattenwaschanlage entwickle, und habe die Händler und Impor­teure, die ich über die CD-Anfas­ma­schine schon kannte, eben­falls infor­miert. Mitt­ler­weile bedienen wir 50 Länder über feste Impor­teure. Der Vinyl Cleaner Pro beschäf­tigt uns also gerade gut.

Was macht das Gerät aus?

Es ist kompakt und beide Plat­ten­seiten werden gleich­zeitig gerei­nigt. Das ist bei Wett­be­werbs­pro­dukten in der Regel nicht so. Ich war außerdem der Erste, der Ultra­schall mit ange­boten hat. Der Vinyl Cleaner Pro ist sehr leise, arbeitet vollautoma­tisch und ist einfach zu bedienen.

Und wer kauft den Vinyl Cleaner Pro?

Ich spreche die Sammler und Lieb­haber an, die sich die CD teil­weise nie angetan haben. Das sind fast alles Männer, manche mit eigenem Musik­zimmer. Und ihre Anlage kostet im Durch­schnitt 30.000 Euro. Das ist eine span­nende Klientel aus allen Bildungs­schichten.

Wie wichtig ist für Sie als Entwickler eine gesunde Neugier für so ausge­fal­lene Produkte?

Ich bin Neuem gegen­über immer offen. Ich werde ja auch ständig von Kunden ange­spro­chen, die auf der Suche nach etwas Spezi­ellem sind. Und wenn sich die Anfragen häufen, dann lege ich los. Im Moment bin ich noch etwas einge­bremst. Nach der stres­sigen Zeit war mir eine Pause wichtig. Man spürt, wenn die Krea­ti­vität nicht mehr so richtig fließt. Aber ich werde wieder was ent­wickeln. Ich kann nicht nur rumsitzen, das passt nicht zu mir. Und ich merke schon, wie da langsam wieder was sprießt …

Ein Meilen­stein für den Tüftler: Die Yin-und-Yang-Duft­lampe.

Tüfteln Sie eigent­lich allein oder im Team?

Der krea­tive Prozess passiert vorwie­gend allein. Das geht bei mir am besten, wenn ich meine Ruhe habe. Stoße ich an meine Grenzen, dann gehe ich zu meinen Kolle­gen und wir setzen uns kurz zusammen. Danach bin ich dann wieder allein. Gele­gentlich stelle ich auch einen Ansatz im Team vor und wir bespre­chen das. Da kom­men alle Ideen auf den Tisch, auch wenn sie noch so verrückt sind.

Wie sieht Ihr Weg von der verrückten Idee zum Serien­produkt dann aus?

Anfangs herrscht meist das krea­tive Chaos. Das beginnt mit einer ganz einfa­chen Skizze, die ich in meiner Bastel­phase umsetze. Danach suche ich nach Liefe­ranten. Da kommt dann Struktur in den Prozess. Der Einkauf ist ein ganz wich­tiger Aspekt. Drum­herum gibt es noch ganz viele büro­kra­ti­sche Dinge, um die man sich kümmern muss. Da unter­stützt mich mitt­ler­weile ein Mitar­beiter.

Stich­wort Liefe­ranten: Das Trocknen der Platten überneh­men wasser­ge­schützte Diago­nal­lüfter von ebm-papst. Warum haben Sie sich für diese Kompo­nenten entschieden?

So funk­tio­niert der Vinyl Cleaner Pro

Die Schall­platte wird senk­recht in das Gerät einge­steckt. Von unten wird ein Gemisch aus destil­liertem Wasser und Reiniger bis unter­halb des Plat­ten­la­bels in die Reini­gungs­kammer gepumpt. Die Platte dreht sich durch die Flüs­sig­keit. Über­schüs­siges Wasser läuft nach unten und wird gefil­tert. Danach startet ein Ultra­schall­schwinger, Walzen fahren beid­seitig an die Platte heran und drehen sich gegen­läufig. Ist der Reini­gungs­pro­zess abge­schlossen, fahren die Walzen zurück, die Flüs­sig­keit läuft nach unten und die Platte wird durch zwei Lüfter getrocknet.

Weil sie sehr zuver­lässig arbeiten. Ich habe auch andere Kompo­nenten getestet, die alle nicht über­zeugten. Der Vinyl Cleaner Pro muss vor allem leise sein, dafür sind die Lüfter perfekt geeignet. Anfangs hatte ich noch Schwie­rig­keiten mit der Flüs­sig­keit. Wenn jemand zu viel Reiniger verwendet hat, kam es zur Schaum­bil­dung. Der Schaum drang in den Lüfter­be­reich ein und hat dort zu Ausfällen geführt. Da hab ich ange­fangen, die Lüfter zu zerlegen und die Elek­tronik in Kunst­harz zu tauchen, um sie zu versie­geln. Das war viel­leicht eine Sau­erei! Schließ­lich kontak­tierte ich ebm-papst, die mir voll­ver­gos­sene Lüfter ange­boten haben. Die gehen selbst in einem Eimer Wasser unter Span­nung nicht kaputt. Echt klasse!

Mitt­ler­weile wird Ihre Plat­ten­wasch­an­lage bereits von asia­ti­schen Herstel­lern kopiert. Sind Plagiate für Sie ein großes Problem?

Nein, das ist kein Problem. Ich habe mir extra einige kommen lassen und sie kom­plett zerlegt. Was Qualität, Geräusch und Funk­tionen angeht, ist das eine Katastro­phe. Also keine Gefahr (lacht). Ich beob­achte, ob Plagiate auf dem Markt Fuß fassen, und opti­miere im Hinter­grund mein Produkt ja ständig weiter. Bis die dann nachzie­hen, ist das alles schon wieder veraltet.

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