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„Der Baukasten wächst und verän­dert sich stetig“

Mit dem modu­laren Baukasten kommen ebm-papst Kunden schneller zum passenden Antrieb. Patrick Schu­ma­cher hat ihn mit konzi­piert und verrät, was alles drin­steckt und welche Vorteile er noch bietet.


Herr Schu­ma­cher, warum gibt es den modu­laren Baukasten über­haupt?

In der Vergan­gen­heit war der Geschäfts­be­reich Indus­tri­elle Antriebs­technik bei ebm-papst auf OEM-Projekte fokus­siert. Da hat uns der Kunde genau beschrieben, was für einen Antrieb er gerne von uns haben möchte. Wir haben ihm dann exakt auf diese Anfor­de­rungen hin sein Produkt entwi­ckelt. Wir sind auch weiterhin in kunden­spe­zi­fi­schen OEM-Projekten unter­wegs, gehen parallel aber verstärkt ins Brei­ten­ge­schäft. Das bedeutet: Der Kunde sagt uns, was er möchte. Wir schauen in unseren Baukasten und schlagen einen Antrieb vor, der seine Anfor­de­rungen am besten erfüllt. Wir entwi­ckeln in diesem Fall also kein neues Produkt, sondern bedienen uns aus einem defi­nierten Baukasten und kombi­nieren  einzelne Module zu einer Antriebs­lö­sung.

Heißt das, der modu­lare Baukasten ist für kleine Unter­nehmen beson­ders gut geeignet?

Genau, das sind die Kunden, die wir auch bedienen wollen. Was vorher zu aufwändig gewesen wäre – für einen kleinen Sonder­be­darf eine Entwick­lung anzu­stoßen – ist heute kein Problem mehr.

Was beinhaltet der modu­lare Baukasten?

Es gibt im Wesent­li­chen fünf Elemente: Motor, Getriebe, Elek­tronik, Bremse und Geber. Die Mindest­aus­stat­tung für ein Produkt ist immer der Motor. Im Baukasten sind drei Baugrößen verfügbar: 42, 63 und 80 Milli­meter in einem Leis­tungs­be­reich von 10 bis 750 Watt. Da die Motoren typi­scher­weise Dreh­zahlen um die 4.000 Umdre­hungen haben, benö­tigt der Kunde meist ein passendes Getriebe. Hier sind die Anfor­de­rungen dann sehr unter­schied­lich. Der eine möchte das Getriebe inline vorne am Motor, der Nächste möchte es recht­winklig und benö­tigt hierfür ein Winkel­ge­triebe. Andere Kunden haben viel­leicht wenig Bauraum und suchen ein Getriebe, das sehr flach baut. Da ist dann ein Stirn­rad­ge­triebe passend. Entspre­chend der Kunden-Anfor­de­rungen enthält unser Baukasten also unter­schied­liche Vari­anten.

 

Der modu­lare Baukasten enthält im Wesent­li­chen fünf Elemente: Motor, Getriebe, Elek­tronik, Bremse und Geber. Über 4.000 Antriebs­va­ri­anten sind derzeit hinter­legt.

Was müssen Sie bei den Elek­tro­niken berück­sich­tigen?

Das Beson­dere bei der Elek­tronik ist, dass wir den Antriebs­regler, die Logik- und Leis­tungs­elek­tronik in den Motor inte­grieren – in unter­schied­li­chen Vari­anten für verschie­denste Anfor­de­rungen. Wir haben dafür verschie­dene Elek­tro­niken vom einfa­chen Dreh­zahl­regler bis hin zur komplexen Posi­tio­nier­steue­rung und natür­lich auch Bus-Systeme, um den Antrieb ansteuern zu können. Dann brau­chen wir auch Bremsen, die den Motor in einer Posi­tion sicher halten. Die müssen für den Baukasten entspre­chend vordesignt sein, damit sie später gut in unsere Motoren passen.

Das nächste Element sind Rotor­la­ge­geber. Denn um eine hohe Posi­tio­nier­ge­nau­ig­keit bieten zu können, brauche ich immer ein hoch­auf­lö­sendes Geber­system.

Auf der einen Seite sind die einzelnen Elemente des Baukas­tens stan­dar­di­siert, auf der anderen aber dennoch sehr diffe­ren­ziert, wie lässt sich das steuern?

Im Baukasten unter­scheiden wir zwischen Vorzugs- und Stan­dard­typen. Das Beson­dere bei den Vorzugs­typen ist, dass sie inner­halb 48 Stunden versand­be­reit sind. Das Thema Verfüg­bar­keit ist vor allem in der Entwick­lung beim Kunden sehr wichtig: Je schneller der Entwickler etwas zum Spielen hat, desto eher ist er bereit sich damit zu iden­ti­fi­zieren und mit dem, was er auf dem Tisch hat, weiter­zu­gehen.

Wie viele Antriebs­lö­sungen können aus dem modu­laren Baukasten reali­siert werden?

Momentan sind über 4.000 Antriebs­va­ri­anten ange­legt. Theo­re­tisch möglich sind aber noch viel mehr. Der Baukasten wächst und verän­dert sich auch stetig.

Gibt es eine Mengen­be­schrän­kung für Teile aus dem Baukasten?

Grund­sätz­lich nicht, das Thema ist eigent­lich nur die Verfüg­bar­keit. Bei Vorzugs­typen kann der Endkunde darum pro Bestel­lung maximal 20 Stück ordern. Wenn er einen wieder­keh­renden Bedarf hat, dann defi­nieren wir für ihn natür­lich einen Rahmen, aus dem er sich dann bedienen kann – egal ob das 5.000 oder 50.000 Stück sind.

Was waren die Heraus­for­de­rungen bei der Erstel­lung des Baukas­tens?

Die Lösungen aus dem Baukasten müssen für unter­schied­lichste Einsatz­zwecke in den Berei­chen Gerä­te­technik und Indus­trie­au­to­ma­tion geeignet sein. Es gibt eine Viel­zahl von Anwen­dungen und Appli­ka­tionen. Darum muss man sich davon lösen, dass alles immer maximal kosten­op­timal ist. Denn Varianz und wieder­holte Einsetz­bar­keit, errei­chen wir eher, wenn wir bei manchen Themen etwas mehr bieten.

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