Hinsichtlich Bauraums, geringem Gewicht, hoher Effizienz und langer Lebensdauer sind elektrisch angetriebene, gasgelagerte Turboverdichter hierfür eine der besten Lösungen. Die neu entwickelten ölfreien Turboverdichter CompaNamic von ebm-papst im Motorleistungsbereich von 10 kWe bis ca. 55 kWe ermöglichen variable Fördermengen verschiedener Kältemittel und kommen durch interne Volumenreduzierung von 90 % mit deutlich weniger Kältemittel aus (Introbild). Die Entwicklungen der Varianten mit 10 kWe für R290 und R1234ze(E) eignen sich für viele Applikationsgebiete. Höchste Gasreinheit durch Verzicht auf Ölschmierung und ein breites Einsatzspektrum erforderten aber innovative Ansätze bei der ölfreien Lagertechnik, Aerodynamik, Motorenauslegung und der Leistungselektronik. Es wurden neue Methoden zur Präzisionsbearbeitung von Verdichtern und Gaslagerungen für die Ende 2028 geplante Großserienproduktion integriert.
Die Aufgabe eines Verdichters für Wärmepumpen und Kältetechnik besteht darin, Kältemittel möglichst effizient über lange Zeiträume bei geringem Betriebsgeräusch zu verdichten. Idealerweise arbeitet er dabei ölfrei, so bleibt das System sauber, die Effizienz der Wärmeübertragung steigt und Nebenaggregate wie Ölabscheider, Ölsumpf sowie der Konstruktionsaufwand für die Ölrückführung entfallen (Bild 1). Je nach Anwendungsgebiet müssen die Verdichter und vor allem ihre Lagerung sowohl bei Dauerlauf als auch bei Start-Stopp-Zyklen über viele Jahre möglichst wartungsfrei arbeiten. Auch sollen die Endgeräte so klein und leicht wie möglich ausfallen, sodass kompakte und dynamische PFAS-freie Verdichter gefragt sind, die in beliebiger Einbaulage zu montieren sind, ohne auf einen Ölrücklauf achten zu müssen. Während Antrieb und Lagerung für eine große Bandbreite an Kältemitteln nahezu gleichbleiben können, muss die Aerodynamik mitunter stark an das eingesetzte Gas angepasst werden.

In der Praxis konnten die Entwickler durch den Einsatz hochdrehender Innenläufermotoren sehr kompakte Verdichter mit 10 kWe bei nur 130 mm Durchmesser und 300 mm Länge bei nur 6 kg Gewicht aufbauen. Gleichzeitig konnte durch eine interne Volumenreduzierung auf nur noch 400 ccm bei dem ebm-papst Verdichter P3 – gegenüber herkömmlichen Verdichtern mit ca. 5000 ccm – die nötige Kältemittelmenge drastisch reduziert werden. Durch den Ölverzicht ist der Wärmeübergang durch die fehlende Oberflächenbenetzung mit Schmierstoff (Öl inklusive Additive) in den Wärmetauschern besser und die Druckverluste sind minimiert. Zudem gibt es keine Ölverschmutzung und Effizienzdegradierung der Wärmetauscher wegen Öl über die Lebensdauer. Ölwartung und Ölhandhabungseinrichtungen entfallen, da nur reines Kältemittel im Umlauf ist. Die perfekt ausbalancierten rotierenden Teile ergeben einen vibrationsfreien, leisen Lauf. Der Schallleistungspegel liegt bei rund 60 dB(A). Um das zu erreichen, sind fortschrittliche technische Lösungen in vielen Teilbereichen nötig.
Das Schlüsselelement ist die Aerodynamik
Die unterschiedlichen Anforderungen der eingesetzten Heiz- bzw. Kühltechnik bestimmen die Verdichtergröße. Eine Motorleistung von 10 kWe für die Kältemittel R290 und R1234ze(E) macht den Anfang im Produktportfolio. Diese eignet sich besonders für größere Gebäude oder industrielle Anwendungen. Um die unterschiedlichen Anforderungen resultierend aus der Envelope an Druckverhältnis und Massenstrom effizient abzudecken, muss die gesamte Bandbreite an Auslegungsmöglichkeiten der Rad- und Schaufelgeometrie genutzt werden. Dabei werden die SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) Punkte aus unterschiedlichen Applikationen genutzt. Außerdem ist gerade bei kleinen Laufraddurchmessern die Reduzierung der auftretenden Schaufelspaltverluste auf ein technisch mögliches Minimum entscheidend. Dadurch wird eine sehr effiziente Aerodynamik sichergestellt.
Die Hüllkurve (Envelope) (Bild 2 und 3) beschreibt die Einsatzgrenzen. Die X-Achse ist die Verdampfungstemperatur und die Y-Achse stellt die Verflüssigungstemperatur dar. Dabei braucht man für die MidLift und HighLift Varianten höhere Druckverhältnisse und daher 2-stufige Lösungen. Für die LowLift Version ist eine 1-stufige Lösung ausreichend. Die Kennfelder wurden nach der Simulation auch im neuen, hochmodernen ebm-papst eigenen Verdichter-Prüffeld gemessen, verifiziert und optimiert. Aus dem Kerngeschäft der Ventilatoren steht zudem bereits ein leistungsfähiges Umwelterprobungs-Testzentrum zur Verfügung. Hier werden die Verdichter einer Langzeitprüfung unterzogen.
Lagerungstechnologie
Die hohe Leistung und Dynamik der Einheiten in Bezug zu ihrer Größe erfordern ein ausgeklügeltes Lagersystem. Die Tabelle (Bild 4) zeigt die Unterschiede der hochdrehenden Lagertechnologien mit Schwerpunkt auf Radiallagern. Günstige Gleit- und Kugellager haben bei hohen Drehzahlen nur eine kurze Lebensdauer und können zudem das Gas mit Öl oder Fett verunreinigen. Magnet- und Gaslager dagegen arbeiten praktisch ohne Verschleiß. Magnetische Lager sind allerdings noch sehr teuer – Gaslager sind daher ein guter Kompromiss. Insbesondere hydrodynamisch starre Gaslager ermöglichen im Vergleich zu Folienlagern eine präzise Positionierung der Welle, dies erlaubt im Betrieb das Einstellen eines minimalen Schaufelspalts zwischen Schaufeln und Volute für eine besonders effiziente Strömungsmaschine. Im Betrieb schwebt die Welle auf einem Polster des verdichteten Arbeitsgases. Gleit- und Kühlmittel entfallen und eine mögliche Verunreinigung durch zusätzliche Stoffe wird vermieden. Die Kältemittel bleiben absolut rein. Eine geeignete Materialauswahl bzw. Hartbeschichtung der Lageroberflächen sorgt für einen praktisch verschleißfreien Start bzw. Rotorauslauf. Grundsätzlich sind die ebm-papst Verdichter auf eine Lebensdauer von ca. 150.000 Stunden und mehr als eine Mio. Start-Stopps ausgelegt.
Effizienter Motor mit kompakten Abmessungen
Die Motorleistung definiert sich als Produkt aus Drehmoment und Drehzahl, weshalb hohe Leistungen durch hohe Drehzahlen auch mit einem kompakten Elektromotor erreicht werden können. Trotz kleinem Drehmoment leisten die kompakten, hochdrehenden Innenläufermotoren 10 kWe bei ca. 160.000 U/min und größere Varianten bis 55 kWe bei ca. 60.000 U/min. Die HighSpeed-Antriebe erfordern jedoch eine exakt angepasste Geometrie von Stator und Permanentmagnet-Rotor, da es sonst zu erheblichen Eisen-, Kupfer- und Rotorverlusten kommt, die durch frequenzbedingte Effekte zusätzlich gesteigert werden. Höhere Spannungen erlauben kleinere Kupferquerschnitte, stellen aber erhöhte Anforderungen an die Wicklungsisolation. Um die entstehende Abwärme abzuführen, wurden unterschiedliche Kühlungskonzepte entwickelt. Gleiches gilt für die Leistungselektronik.
Leistungselektronik für Schnellläufer
Die Leistungselektronik muss den Betriebsbedingungen angepasst sein. Bei den Verdichtern kann sie die große Bandbreite der Versorgungsspannung nutzen und erlaubt durch einen modularen Aufbau der Endstufen eine gute Leistungsskalierung. So sind die üblichen Netzspannungen von ca. 320V bis 480V 3 phasig AC. Die hohe Drehzahl der Innenläufermotoren erfordert für die Regelung in Pulsweiten- oder Pulsamplitudenmodulation Ströme mit Frequenzen bis über 100 kHz, die die Leistungsendstufen zuverlässig bereitstellen müssen. Für alle Komponenten gilt es, auch bei Teillast einen möglichst hohen Wirkungsgrad von mehr als 97 % zu erreichen und die gängigen Normen bzw. Anwendervorgaben, z. B. für Oberwellen, müssen eingehalten werden.

Neue Verfahren für Serienfertigung
Die beschriebene Gaslagerung erfordert bei den hochtourigen „CompaNamic“ Verdichtern sehr enge Fertigungstoleranzen. Diese lassen sich nur durch eine spezielle Produktionsumgebung und Präzisionsmesstechnik einhalten. Für die Fertigung der Präzisionsteile in großen Serien sind daher teilweise neue Verfahren nötig. Die gesamte Produktion läuft unter gleichbleibender Temperatur, also klimatisiert, ab. Statt der herkömmlichen 3 bis 4 µm können so Toleranzen unter 1 µm eingehalten werden. Der gesamte Fertigungsprozess wird durch eine In-Line-Präzisionsmessung überwacht. Es versteht sich von selbst, dass alle bauteilbezogenen Messwerte in einer Datenbank erfasst und mit Seriennummer gespeichert werden. Um trotz des Aufwands die Stückkosten wirtschaftlich in Großserie produzieren zu können, darf die Fertigung möglichst keinen Ausschuss produzieren und muss dementsprechend laufend nachjustiert werden.
150.000h
Geplante Lebensdauer der Verdichter
90%
Reduzierung des internen Volumens gegenüber herkömmlichen Verdichtern
160.000rpm
Umdrehungen pro Minute der Innenläufermotoren
So werden wirtschaftlich effiziente, ölfreie Turboverdichter gefertigt, die vor allem besonders umweltfreundliche und natürliche Kältemittel mit sehr niedrigem Treibhauspotenzial verdichten. Der hohe Wirkungsgrad bei geringem Betriebsgeräusch schont die Umwelt und der vibrationsfreie Lauf vermeidet Körperschallübertragung in die Anlage. Damit eignen sich die neuen ebm-papst HighSpeed-Verdichter CompaNamic auch für anspruchsvolle Anwendungen mit hohen Anforderungen an Laufruhe und Zuverlässigkeit.



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