© Tammeka Games

Was die Indus­trie noch von VR lernen kann

Renn­spiel mit ulti­ma­tiven Mitten­drin­ge­fühl: Eine „Fan Box“ von ebm-papst simu­liert den Fahrt­wind des Science-Fiction-Flit­zers Radial G. Der Geschäfts­führer der briti­schen Virtual-Reality-Schmiede Austella Glenn Jarrett erzählt, warum Koope­ra­tion wie mit ebm-papst Schule machen sollten.


Glenn, Venti­la­toren an ein Renn­spiel anschließen, um den Fahrt­wind zu simu­lieren. Wie kommt man auf so etwas?

Glenn Jarrett, Geschäfts­führer von Austella, deren Schwes­ter­firma Tammeka das VR-Spiel entwi­ckelt hat.

Die Idee entstand zum Release des Renn­spiels „Radial-G: Racing Revolved“, das unsere Schwes­ter­firma Tammeka Games 2016 auf der Play­sta­tion 4 veröf­fent­lichte. Zum Release hatten wir uns eine schöne Aktion ausge­dacht: Wir mieteten den Wind­tunnel der King­ston Univer­sity und simu­lierten dort das Geschwin­dig­keits­ge­fühl des Spiels – die anwe­senden Jour­na­listen hat das buch­stäb­lich wegge­blasen! Die posi­tive Bericht­erstat­tung hat uns dann ins Grübeln gebracht: Könnte man viel­leicht mit einer mobilen Einheit einen ähnli­chen Aufschlag liefern?

Wie kam dann ebm-papst ins Spiel?

Aus vorhe­rigen Berufs­sta­tionen kannte ich unsere beiden Entwick­lungs­partner, den Kompo­nen­ten­händler RS Compon­ents und auch die Jungs von ebm-papst, ziem­lich gut. Da lag es nahe, diese beiden Firmen mit an Bord zu holen. Die rich­tige Entschei­dung wie sich schnell zeigte, weil auf beiden Seiten mit viel Spaß und Eifer an der Sache gear­beitet wurde. Das war richtig groß­artig!

Wie lief das denn genau? Trafen hier nicht zwei Welten aufein­ander?

Na ja, Austella als reiner VR-Spezia­list neben dem eigent­li­chen Spie­le­ent­wickler Tammeka Games exis­tiert auch aus dem Grund, dass die Zusam­men­ar­beit zwischen Gaming­branche und anderen Indus­trien bislang schlecht funk­tio­niert. Mit Austella haben wir uns von den übli­chen Klischees gelöst und arbeiten etwa auch für die Medizin- oder Bildungs­branche. Wir wissen also, wie die Welt außer­halb von Konsolen und Co. funk­tio­niert. Und da, wo wir uns etwa zu ebm-papst unter­schieden, sahen wir das nicht als Problem, sondern als Gele­gen­heit vonein­ander zu lernen.

„Wir sind darauf ange­wiesen, ständig neues auszu­pro­bieren.“ Glenn Jarrett, Geschäfts­führer Austella

Wo kann ein Riese wie ebm-papst noch etwas von euch lernen?

Ich behaupte, die Zusam­men­ar­beit mit einem kleinen Unter­nehmen wie uns kann sogar sehr beflü­gelnd sein: Große Unter­nehmen sind deswegen so groß, weil sie etwas beson­ders gut können. Das reicht aller­dings nicht für immer. Irgend­wann muss auch ein Konzern neue Dinge lernen, wenn er da bleiben will, wo er ist. Wir wiederum sind zu hundert Prozent auf Inno­va­tion ausge­legt, weil das Poten­zial von VR noch nicht annä­hernd ausge­schöpft ist. Wir sind darauf ange­wiesen, ständig neues auszu­pro­bieren. Und wenn sich ebm-papst oder auch andere Unter­nehmen davon anste­cken lassen, können auch hier wieder richtig aufre­gende Dinge entstehen.

Der VR-Venti­lator kommt sogar in einer schi­cken, stan­des­ge­mäßen Packung daher.

Aber gab es auch Dinge, die ihr euch von ebm-papst abge­schaut hat?

Wir waren defi­nitiv davon beein­druckt, wie ganz­heit­lich und struk­tu­riert unsere Ansprech­partner die Entwick­lung von Anfang angingen. Da wurde wirk­lich alles bedacht, gerade in Sachen Sicher­heit. Die Fan Box kommt schließ­lich in direkten Kontakt mit Spie­lern, da sollte kein Kinder­finger zwischen die Flügel­räder geraten.

Was war die größte Heraus­for­de­rung der Entwick­lung?

Irgendwie musste das Spiel mit dem Venti­lator spre­chen, also die Renn­ge­schwin­dig­keit in ein Steue­rungs­si­gnal für den Venti­lator umwan­deln. Wir designten letzt­end­lich gemeinsam ein Inter­face mit dem sich das Spiel direkt an eine herkömm­liche ebm-papst Steue­rung anschließen lässt. Es über­setzt die digi­talen Daten von Radial-G in ein analoges Signal, dass dem Venti­lator sagt, wie schnell er sich zu drehen hat.

Aber jetzt mal ehrlich, die gesamte Anwen­dung ist doch nur eine Spie­lerei, oder?

Absolut nicht. Man muss es so sehen: VR steckt momentan in einem Dilemma. Noch werden wenige Brillen gekauft, deswegen entwi­ckeln die großen Hersteller noch keine Spiele in der Größen­ord­nung von Call of Duty oder Grand Theft Auto für die Hard­ware. Das verhin­dert wiederum, dass sich mehr Spieler Brillen kaufen. Um aus diesem Teufels­kreis auszu­bre­chen, gibt es nur eine Lösung: Die Spieler selbst auspro­bieren lassen, wie genial das VR-Gefühl ist – etwa auf Messen oder Road­shows. Und da hilft jedes Fitzel­chen Aufmerk­sam­keit, das wir mit Anwen­dungen wie unserer Fan Box erzielen können.

Sind noch weitere solche Koope­ra­tionen möglich? Habt ihr noch weitere Pläne was das bewegen von Luft angeht?

Oh, es gäbe so vieles. Zum Beispiel wird gerade viel mit soge­nannten Sensory Pods herum­ex­pe­ri­men­tiert. Also eine Art Ganz­kör­per­kapsel, in die sich der Spieler hinein­be­gibt und durch gezielte Luft­ströme am eigenen Leib mitfühlt, was der Spiel­figur in der virtu­ellen Umge­bung passiert. Auch mit Wärme oder Kälte könnte man die Immer­sion stei­gern. Wie gesagt, im VR sind der Inno­va­tion bislang noch keine Grenzen gesetzt!

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