© Martin Wagenhan

„Wir reiten die 4.0-Welle“

Er kommt auf Zuruf, sucht sich den kürzesten Weg und verbündet sich mit seinen Kollegen: der Werks­flitzer KARIS PRO. Zwölf Partner aus Indus­trie und For­schung ent­wickeln ihn. Projekt­leiter Andreas Trenkle vom Karls­ruher Institut für Tech­nologie über die Chancen des Gefährts.


Herr Trenkle, ein flexi­bles Trans­port­system wie KARIS — wer braucht das?

Alle, die für inner­be­trieb­liche Trans­porte mehr Flexi­bi­lität benö­tigen. Auto­ma­ti­sierte Logis­tik­sys­teme sind nicht nur teuer, sondern auch starr und die Inbe­trieb­nahme kostet viel Zeit und Geld. Deshalb werden heute viele Trans­porte noch händisch durch­ge­führt — auf Boden­rol­lern, mit Stap­lern oder Milkrun-Zügen. KARIS PRO plant die Routen selbst und trans­por­tiert das Mate­rial autonom zum Ziel.

Setzt schon jemand Ihre Fahr­zeuge ein?

Wir starten gerade mit zwei Pilot­pro­jekten. In der Produk­tion des Audi R8 beim Zulie­ferer Quattro holen fünf KARIS-Fahr­zeuge Teile aus dem Lager: Ein Fahr­zeug fährt unter einen Waren­korb, auf dem alle Teile für einen bestimmten Produk­ti­ons­schritt vorbe­reitet sind, dockt sich an und bringt ihn zum rich­tigen Zeit­punkt an den Monta­geort. Muss eine komplette Palette trans­por­tiert werden, verbinden sich vier Fahr­zeuge zu einer Einheit.

Bei Bosch Diesel Systems trans­por­tieren unsere Fahr­zeuge Teile aus verschie­denen Produk­ti­ons­be­rei­chen zu einem Mess­raum und wieder zurück. Es ist ein weit­läu­figes Gelände, das sich über zwei Hallen erstreckt. Zuvor erle­digte das ein Routenzug, der nach einem Fahr­plan die einzelnen Stationen abfuhr. Das Fahr­zeug kommt jetzt bei Bedarf und sucht sich die beste Route selbst. Taxi statt Zug, sozu­sagen. Das hat den Vorteil, dass die Mitar­beiter das Mate­rial früher bekommen.

Woher wissen denn die Fahr­zeuge, was sie gerade tun sollen?

Mitar­beiter geben die Aufträge in ein Tablet ein. Per WLAN erfahren sämt­liche Fahr­zeuge davon und verhan­deln mitein­ander, wer den Auftrag ausführt — es gibt also keine zentrale Leit­steue­rung. Das Fahr­zeug mit dem kürzesten Weg zum Ziel und ausrei­chendem Akku über­nimmt den Auftrag dann. Statt über die manu­elle Eingabe könnte das Fahr­zeug KARIS PRO die Aufträge auch direkt aus einem SAP-System oder per RFID-Tags an den Kisten erhalten.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Fahr­zeug keinem Produk­ti­ons­mit­ar­beiter ans Schien­bein fährt?

KARIS PRO hat einen Sicher­heits-Laser­scanner, der ständig die vordere Umge­bung abtastet – ein Auge sozu­sagen. Mit dessen Daten kann es Hinder­nisse erkennen und um sie herum­fahren. Ist ein Objekt — etwa ein laufender Mensch — auf Kolli­si­ons­kurs, stoppt das Fahr­zeug augen­blick­lich.

Die komplexen Antriebs­ein­heiten über­wa­chen sich ständig selbst und über­prüfen die Dreh­zahl und die Posi­tion der Lenk­an­triebe. So weiß das Fahr­zeug immer, mit welcher Geschwin­dig­keit es in welche Rich­tung fährt. Muss das Fahr­zeug einmal rück­wärts­fahren, werden die Motor­ströme des Antriebs genutzt, um Kolli­sionen taktil zu erkennen. Der Antrieb merkt es, sobald es an ein Hindernis stößt, und bremst sofort ab. Auf diese Weise sparen wir uns zusätz­liche Sensoren.

Wie soll es mit KARIS weiter­gehen?

So richtig span­nend wird es, wenn unsere Fahr­zeuge in einer flexi­blen Produk­tion einge­setzt werden, wo es die Maschinen sind, die mit KARIS kommu­ni­zieren und sagen: „Hol mir mal dies, bring das mal dorthin.“ Mit dieser Dynamik und diesen Schwan­kungen soll KARIS PRO zurecht­kommen. Derzeit sind wir mit Unter­nehmen im Gespräch, um KARIS PRO zu indus­tria­li­sieren und zu vermarkten.

Mehr über den KARIS PRO.

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