Genaugenommen hat Propan nur Vorteile gegenüber synthetischen Kältemitteln – davon ist Jonathan Frei, Entwickler bei der Heim AG, überzeugt. Und er muss es wissen. Denn der Hersteller von Heizsystemen aus dem schweizerischen Aadorf ist europaweit eines der führenden Unternehmen, wenn es um den Einsatz des nicht-fluorierten Kältemittels Propan – auch bekannt unter der Bezeichnung R290 – bei Wärmepumpen geht. Die Effizienz und Leistungsfähigkeit dieser Geräte hängen ganz entscheidend von der Wahl des Kältemittels ab, denn es nimmt die Wärme aus der Umgebungsluft auf und überträgt sie auf das Heizsystem. Und hier schneidet Propan im Vergleich zu anderen chemischen Substanzen besonders gut ab, wie Frei verdeutlicht: „R290 hat hervorragende thermodynamische Eigenschaften, erlaubt den Betrieb bei Außentemperaturen von minus 20 Grad Celsius, macht Vorlauftemperaturen von 75 Grad Celsius möglich und hat ein vergleichsweise sehr niedriges Treibhauspotenzial.“
Vor allem Letzteres gewinnt an Bedeutung. Für Jahrzehnte waren sogenannte fluorierte Gase das Mittel der Wahl. Doch ihr hohes Treibhauspotenzial ist katastrophal. In der Europäischen Union und der Schweiz soll der Einsatz von fluorierten Gasen daher schrittweise eingeschränkt werden. Doch warum setzen Hersteller nicht schon längst auf Propan, wenn seine Eigenschaften so herausragend sind? Die Antwort ist simpel: „R290 gehört zur Sicherheitsklasse der brennbaren Gase“, sagt Frei.
Ganz vorn dabei
Jonathan Frei ist Entwickler und überzeugt von Propan. Die Heim AG, ein Schweizer Hersteller von Heizsystemen, ist beim Einsatz des nicht-fluorierten Kältemittels europaweit führend.
Effizient und Nachhaltig
Propan (R290) erlaubt den Betrieb bei Außentemperaturen von – 20 Grad Celsius und macht Vorlauftemperaturen von 75 Grad Celsius möglich. Außerdem ist das Treibhauspotential (GWP) sehr niedrig.
Für den Entwickler ist das Risiko mit einem geeigneten Sicherheitskonzept dennoch beherrschbar. Mit dem nicht-fluorierten Kältemittel hat die Heim AG bereits umfangreiche Erfahrungen gesammelt – sowohl bei außenaufgestellten Wärmepumpen als auch mit einer innenaufgestellten Sole-Wasser-Wärmepumpe. Was im Portfolio bislang noch fehlte: eine innenaufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpe für Einfamilien- und kleinere Mehrfamilienhäuser. „Mit dem LWKMi pro, so der Name der neuen Wärmepumpe, wollten wir ein hocheffizientes und zukunftssicheres Gerät entwickeln, das problemlos in jeden Keller passt“, fasst Frei seine Aufgabe zusammen.
Kältemittel im Vergleich
Gemessen anhand ihres Global Warming Potentials (GWP)
2.088 GWP
R410A
3 GWP
R290 (Propan)
675 GWP
R32 (Difluormethan)
Perfekt für Sanierungen
In der öffentlichen Diskussion liegt der Fokus meist auf außenaufgestellten Wärmepumpen. Dabei haben ihre innenaufgestellten Pendants gleich mehrere Vorteile: Ums Haus herum ist keine Stellfläche notwendig, die Nachbarn hören keine Betriebsgeräusche und sie sind ideal für Sanierungen. Denn dort, wo die alte Gas- oder Ölheizung das Wasser erhitzte, ist auch Platz für eine Wärmepumpe.
Mit dem Kältemittel Propan eröffnen sich hier neue Möglichkeiten: Wegen der besonders hohen Vorlauftemperaturen ist auch der Betrieb mit bestehenden Heizkörpern möglich. Dadurch entfällt der aufwendige Einbau einer Fußbodenheizung.
Und noch einen Vorteil bietet die höhere Vorlauftemperatur: Es braucht kein elektrisches Nachheizen, um die geforderten Hygienestandards bei der Warmwasserbereitung einzuhalten. Denn mit synthetischen Kältemitteln lassen sich nur Temperaturen von maximal 55 bis 60 Grad Celsius erzielen. „So sorgt Propan für einen deutlich effizienteren Betrieb“, sagt Frei.
Zum Heizen in den Keller
Keine Stellfläche ums Haus? Kein Problem: Innenaufgestellte Wärmepumpen sind ideal für Sanierungen und ermöglichen den Betrieb mit bestehenden Heizkörpern.
Die optimale Größe
Jeder Zentimeter Bauraum, den Jonathan Frei einsparen konnte, half ihm, das Gerätedesign der neuen Wärmepumpe zu optimieren – schließlich soll sie durch jede Kellertür passen.
Allerdings gelten im Innenbereich beim Einsatz von Propan sehr viel strengere Vorschriften als im Freien. „Das Thema ist noch relativ neu im Markt. Die Herausforderung ist, überhaupt erstmal herauszufinden, welche Normen gelten, und damit ein Sicherheitskonzept zu erstellen, um ein sicheres Produkt auf den Markt zu bringen.“ Und dann soll die neue Wärmepumpe ja auch noch effizient und leise sein.
Die knifflige Sache mit dem Druck
Ein zentraler Hebel, um die Effizienz einer Wärmepumpe zu steigern, ist der Ventilator. Seine Aufgabe ist es, genau die Luftmenge zum Wärmtauscher zu fördern, die für den optimalen und effizienten Betrieb erforderlich ist. Bei innenaufgestellten Wärmepumpen ist das technisch anspruchsvoller als bei außenaufgestellten. Denn die Luft wird über einen Kanal von außen ins Gebäude und zum Gerät gefördert. Die Länge des Kanals, jede Biegung, und auch der Wärmetauscher selbst bremsen die Luft ab. Das führt zu Druckverlusten, die der Ventilator überwinden muss.

Die Wärmepumpe darf nicht zu groß sein, damit sie noch durch die Tür und in den Keller passt.
Jonathan Frei, Entwickler bei der Heim AG
Prinzipiell kein Problem – doch der Bauraum in der Wärmepumpe ist beschränkt: „Sie darf nicht zu groß sein, damit sie noch durch die Tür und in den Keller passt“, sagt Frei. Ein kleiner Ventilator schafft die hohen Drücke nur, wenn er sich schneller dreht. Doch dann verbraucht er mehr Strom und ist lauter. Frei musste diesen Spagat schaffen: einen Ventilator finden, der möglichst wenig Platz einnimmt und mit einer vergleichsweise niedrigen Drehzahl ausreichend Luft durch das System bewegt.
Hinzu kommt, dass Frei den Ventilator zu einem wichtigen Bestandteil seines Sicherheitskonzepts machen wollte: Wenn die Sensoren den Austritt von Propan detektieren, soll sich das Laufrad so schnell wie möglich drehen, um das Gas sicher ins Freie zu befördern. Dafür braucht der Ventilator eine Zulassung, denn der elektrische Motor ist eine potenzielle Zündquelle. Wer kann Frei den Ventilator bieten, der all diese Anforderungen erfüllt?
Der passende Ventilator
Jonathan Frei brauchte einen Ventilator der leise ist, wenig Bauraum benötigt und die Sicherheitsnormen für das nicht-fluorierte Kältemittel Propan erfüllt. Samuel Schlittler von ebm-papst konnte helfen.
Hoher Druck, geringe Drehzahl
Prädestiniert für die Aufgabe ist der RadiPac C, den ebm-papst für hohe Volumenströme bei hohem Gegendruck entwickelt hat. So lässt sich der erforderliche Druck bei vergleichsweise niedrigen Drehzahlen und damit sehr geräuscharm erzeugen.
Ein gemeinsames Entwicklungsprojekt
Der Entwickler geht deshalb zu Samuel Schlittler, Außendienstmitarbeiter bei ebm-papst in der Schweiz. Die beiden haben sich auf einer Messe kennengelernt, jetzt ergibt sich die erste Gelegenheit für eine Zusammenarbeit. „Mit dem AxiEco Plug-in und dem AxiTone haben wir Ventilatoren für Wärmepumpen im Programm, die bereits für nicht-fluorierte Kältemittel zugelassen sind – aber die schieden von Anfang an aus“, erklärt Schlittler die Herausforderung. Denn Axialventilatoren sind für offene Systeme wie außenaufgestellte Wärmepumpen konzipiert und können die gewünschten hohen Drücke nicht leisten. Es kommt daher nur ein Radialventilator in Frage. Prädestiniert für die Aufgabe ist der RadiPac, den ebm-papst für hohe Volumenströme bei hohem Gegendruck entwickelt hat. „Mit den Laufradvarianten von 500 und 630 Millimetern lässt sich der erforderliche Druck bei vergleichsweise niedrigen Drehzahlen und damit sehr geräuscharm erzeugen“, erklärt Schlittler.
Doch Frei trieb noch eine weitere Frage um: Wie kann er noch weiteren Bauraum einsparen, um das Gerät kompakter zu machen? Wie nah kann er mit dem Ventilator an den Wärmetauscher ran, ohne dass das zu Lasten von Effizienz und Akustik geht? „Es gibt zwar eine Faustformel dafür, wie groß der Abstand sein sollte, aber wir wussten nicht, was passiert, wenn wir den unterschreiten“, so Frei. Schlittler schaltete deshalb seine Kollegen aus der Entwicklung in Mulfingen ein. So wurde aus der Anfrage ein gemeinsames Entwicklungsprojekt. Frei stellte den Strömungsspezialisten die Gehäusedaten zur Verfügung, damit sie den optimalen Abstand ermitteln konnten.
Mit Teamwork ans Ziel
ebm-papst optimierte die Strömung und den elektrischen Anschluss des RadiPac C. „Wir konnten den Ventilator perfekt einbetten“, so Jonathan Frei.
Ein entscheidender Verbesserungsvorschlag: die Strömung mit Leitblechen so anpassen, dass die Luft den Wärmetauscher optimal durchströmt. Frei war begeistert: „Was uns sehr überzeugt hat, war die Zusammenarbeit, wie ebm-papst uns im Entwicklungsprozess unterstützt hat. Wir konnten den Ventilator perfekt in unser System einbetten, sodass es am Schluss optimal funktioniert.“ Dazu zählten auch Details wie der elektrische Anschluss: Damit keine platzraubende Anschlussbox notwendig ist, konfektioniert ebm-papst die Kabel vor. So lässt sich der RadiPac unmittelbar an die Geräteelektronik anschließen: „Das hat uns noch ein paar weitere Zentimeter an Bautiefe erspart.“

Die Zulassung kam gerade pünktlich zum gewünschten Markteintritt.
Samuel Schlittler, Sales ebm-papst Schweiz
Pünktlich fertig zur Heizsaison
Nun schien alles perfekt. Nur eines fehlte noch: die Zulassung des Ventilators für den Betrieb mit Propan. Der Motor erfüllte die strengen Sicherheitsvorgaben bereits, aber in der Kombination mit der Elektronik fehlte die Zulassung. „Die Frage war nicht, ob wir sie bekommen, sondern, wann – also pünktlich zum gewünschten Markteintritt“, sagt Schlittler. Doch auch hier gibt es ein Happy End. Gerade noch rechtzeitig zur Heizsaison 2025 / 26 war das erwartete Zertifikat da.
Die LWKMi pro kann in drei Leistungsklassen für den Bereich von 1 bis 26 Kilowatt Heizleistung ausgeliefert werden. Die ersten Wärmepumpen sind bereits installiert und die Heim AG plant mit einer Stückzahl von mehreren Tausend Geräten. Denn der Bedarf ist groß: Immer mehr Öl- und Gasheizungen kommen in die Jahre und nachhaltige Lösungen wie Wärmepumpen sind gefragter denn je. Dank Propan ist die Wärmepumpe der Heim AG zukunftssicher. „Wir haben uns bei der Entwicklung des Geräts schon unsere Gedanken gemacht“, stellt Frei mit einem Augenzwinkern fest.
Propan: ein nicht-fluoriertes Kältemittel
Propan (C3H8), als Kältemittel auch unter Bezeichnung R290 geführt, gehört zu den Kohlenwasserstoffen. Es ist ein natürlich vorkommendes Gas, das bei der Verarbeitung von Erdgas und Erdöl entsteht. Propan lässt sich mit recht geringem Druck verflüssigen und damit leicht speichern. Als Kältemittel ist Propan eigentlich nichts Neues und wurde schon vor über hundert Jahren eingesetzt, dann aber von FCKW und später von F-Gasen verdrängt, die damals als sicherer galten. Jetzt bekommt das nicht-fluorierte Kältemittel ein Comeback: denn durch seine hervorragenden thermodynamischen Eigenschaften erlaubt Propan einen sehr effizienten Betrieb. Zudem ist es zukunftssicher, weil es umweltfreundlich, breit verfügbar und günstig ist.
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