© CH Media / Alex Spichale

Die Drei für die Eiszeit

Mit ihrer Wärme­pumpe „Triton” bringen die Schweizer von null­punkt die Eisspei­cher-Technik ins Eigen­heim. Das stei­gert die Effi­zienz beim Heizen und ist außerdem flüs­ter­leise — auch dank AxiTone.


Auf dem Werk­statt­tisch in einer Schweizer Garage liegen eine Motor­küh­lung, ein selbst gebo­gener Verbund­rohr­wär­me­tau­scher, die Schläuche eines Frost­schutz­kreis­laufs — und ein ebm-papst Venti­lator. Auf dem Boden steht ein Wasser­tank. Kabel­binder, Werk­zeug und eine alte Sole­wär­me­pumpe vervoll­stän­digen das Provi­so­rium. Drum­herum sitzen Thomas Degelo, Michael Egli und Pascal Barmet, tüfteln, disku­tieren und schmieden einen Plan. „Wir wollten einfach wissen, ob sich das Prinzip einer Eisspei­cher­wär­me­pumpe in so einem kleinen Maßstab umsetzen lässt“, erzählt Thomas Degelo. Er ist jetzt Geschäfts­führer der Null­punkt AG, einem Schweizer Unter­nehmen, das seit Oktober 2025 die Eisspei­cher­wär­me­pumpe „Triton“ speziell für Einfa­mi­li­en­häuser produ­ziert und vertreibt.

Vom Garagen-Start-Up zur eigenen Firma

Klas­si­sche Eisspei­cher­wär­me­pumpen eignen sich für große Gebäude: Hotels, Büro­kom­plexe oder Gewer­be­bauten. Denn sie arbeiten mit großen, unter­ir­di­schen Beton­zis­ternen, die mehrere tausend Liter Wasser fassen. In diesen Tanks liegen Wärme­tau­scher, über die dem System Wärme aus erneu­er­baren Ener­gie­quellen zuge­führt wird. Entzieht man dem Spei­cher Wärme­en­ergie, sinkt die Tempe­ratur bis auf 0° Celsius, das Wasser gefriert und dabei wird Energie frei, die zum Heizen genutzt wird. Durch erneute Wärme­zu­fuhr taut das Eis wieder auf, und der Kreis­lauf beginnt von vorn. Eisspei­cher­wärm­pumpen sind auf eine saiso­nale Spei­cher­be­wirt­schaf­tung ausge­legt: Im Sommer wird Wärme einge­la­gert, im Winter abge­rufen.

Für ein Einfa­mi­li­en­haus ist so ein übli­ches System zu groß, zu teuer und viel zu aufwendig. Aber auch herkömm­liche Wärme­pumpen stoßen an Grenzen: Erdsonden sind geneh­mi­gungs­pflichtig, bauin­tensiv und teuer. Außen aufge­stellte Luft-Wasser-Wärme­pumpen brau­chen Platz, erfor­dern eine sorg­fäl­tige Schall- und Stand­ort­pla­nung und gefallen so manchen optisch nicht.  „Als die drei Inge­nieure und Haus­be­sitzer, die wir sind, wollten wir uns damit nicht abfinden“, sagt Degelo. „Wir haben uns gefragt, warum es kein System gibt, das erneu­erbar heizt, ohne tief in den Boden zu gehen oder viel Technik außen aufzu­stellen.“ So entstand die Idee, eine Eisspei­cher­hei­zung zu entwi­ckeln, die auch in eine Garage, einen Keller­raum oder eine Nische passt.

Gesagt, getan. Die drei Inge­nieure bauten im Winter 2023 den ersten Proto­typen einer kompakten Eisspei­cher­wär­me­pumpe bei einem Kollegen ein. Die Ölhei­zung blieb als Backup ange­schlossen, für den Fall der Fälle. Doch der impro­vi­sierte Aufbau aus Auto­küh­lern, Verbund­rohren, Frost­schutz­lö­sung und einem alten Venti­lator lief — erstaun­lich stabil sogar.

Der erfolg­reiche Versuch markierte den Start­schuss: 2023 begann die Entwick­lung der Eisspei­cher­wär­me­pumpe und 2025 grün­deten die Inge­nieure die Null­punkt AG — mit dem Ziel, eine markt­fä­hige Eisspei­cher­wär­me­pumpe für Einfa­mi­li­en­häuser zu entwi­ckeln.

Wie funk­tio­niert Triton?

Triton besteht aus drei Elementen: einer Sole-Wasser-Wärme­pumpe, einem kompakten Eisspei­cher mit rund 1.000 Litern Wasser und einem Außen­wär­me­tau­scher, der die Energie aus der Umge­bungs­luft in den Spei­cher über­trägt. Statt wie klas­si­sche Eisspei­cher saisonal Wärme zu bevor­raten, arbeitet Triton im Tages­zy­klus: Nachts entzieht die Wärme­pumpe dem Spei­cher Energie. Dabei gefriert das Wasser und die frei­wer­dende Wärme wird zum Heizen genutzt. Tags­über und in wärmeren Zeiten wird dem Spei­cher über den Außen­wär­me­tau­scher wieder Umwelt­wärme zuge­führt, sodass das Eis taut und der Kreis­lauf von vorn beginnt. Die Grund­lage dafür liegt in der soge­nannten Latent­wärme: Wenn man dem Wasser Wärme­en­ergie entzieht, kühlt es ab bis 0° Celsius, danach kann man weiter Wärme­en­ergie entziehen, ohne dass das Wasser kälter wird, es gefriert dann und bleibt bei 0° Celsius. Da die Rege­ne­ra­tion des Spei­chers voll­ständig über die Umge­bungs­luft erfolgt, benö­tigt das System weder Erdsonden noch Solar­thermie. So lässt sich Triton einfach instal­lieren und auch in dicht bebauten Wohn­ge­bieten einsetzen.

Winter im Sommer?

Doch dann war der Winter vorbei – und mit ihm die realen Bedin­gungen für einen echten Stress­test. Auf den nächsten wollten die drei Inge­nieure nicht warten. Also holten sie ihn einfach zurück: In einer gemie­teten Tief­ga­rage bauten sie ein eigenes Klimalabor auf – mit Kälte­an­lage, Luft­be­feuch­tung und einer Steue­rung, die Frost- und Nebel­pro­file per Knopf­druck erzeugen konnte. „Wir konnten die Kammer auf minus 15 Grad Celsius und 90 Prozent Luft­feuch­tig­keit bringen“, sagt Degelo. „So ließen sich gezielt Situa­tionen testen, die draußen nur selten zusammen auftreten – und schon gar nicht dann, wenn man sie gerade braucht.“ Ein Jahr später instal­lierte Null­punkt den weiter­ent­wi­ckelten Proto­typen erneut beim Kollegen. Es war ein außer­ge­wöhn­lich kalter Winter mit viel Eisregen – der perfekte Härte­test. Auf Basis dieser Tests nahm Null­punkt letzte Anpas­sungen vor. Der Start in den Seri­en­be­trieb war damit greifbar nahe, doch ein entschei­dendes Bauteil fehlte noch.

Bei Nacht ist Triton noch leiser – das verdanken wir maßgeb­lich dem AxiTone.

Thomas Degelo, Geschäfts­führer Null­punkt AG

Schon der aller­erste Prototyp lief mit einem alten ebm-papst Venti­lator, der ursprüng­lich für ein anderes Projekt des Inge­nieur­büros von Degelo bestimmt war. Sein Zweck bestand darin, die Umge­bungs­luft durch den Außen­wär­me­tau­scher zu fördern und so den Eisspei­cher zu rege­ne­rieren. „ebm-papst kannte ich bereits aus meiner Zeit in der Gebäu­de­technik — die Effi­zienz der Produkte ist mir also bekannt“, sagt Degelo.

Der AxiTone ist unschlagbar leise

Als die Entwick­lung weiter voran­schritt und das Team einen neuen, effi­zi­en­teren und deut­lich leiseren Venti­lator brauchte, nahm Null­punkt deshalb Kontakt mit ebm-papst in der Schweiz auf. Dort brachte Samuel Schlittler, Außen­dienst bei ebm-papst in der Schweiz, schnell den passenden Vorschlag ein: den AxiTone, einen speziell für Wärme­pumpen entwi­ckelten Axial­ven­ti­lator mit beson­ders ruhigem Lauf.

„Der AxiTone der Baugröße 450 mm fügt sich ohne große Anpas­sungen in das Triton-Konzept ein. Er liefert die nötige Luft­leis­tung, bleibt dabei sehr effi­zient — und vor allem leise“, erklärt Schlittler. Tags­über liegt der Geräusch­pegel bei rund 53 dB(A), nachts sinkt er sogar auf 35 dB(A). Bei klas­si­schen Wärme­pumpen strömt die Luft meist seit­lich ein. Bei Triton sitzt der AxiTone oben auf der Außen­ein­heit und drückt die Luft durch den ring­för­migen Wärme­tau­scher nach unten. Diese Luft­füh­rung sorgt für eine gleich­mä­ßige Durch­strö­mung des Wärme­tau­schers und trägt wesent­lich zur geringen Geräusch­ent­wick­lung bei. „Der AxiTone ist für uns ein großer Vorteil“, sagt Degelo. „Bei Nacht ist Triton im Vergleich zu anderen Wärme­pumpen auf dem Markt kaum hörbar — das verdanken wir maßgeb­lich diesem Venti­lator.“

Bei Triton sitzt der AxiTone oben auf der Außen­ein­heit und drückt die Luft durch den Wärme­tau­scher nach unten. (Bild | Null­punkt AG)

Zudem brachte die Strö­mungs­technik von ebm-papst in Mulfingen ihre Exper­tise in die Weiter­ent­wick­lung ein: Gemeinsam opti­mierten die Partner die gesamte Luft­füh­rung, passten Leit­bleche an, verfei­nerten die Wärme­tau­scher-Geome­trie und stimmten die Strö­mungs­wege aufein­ander ab. Das Ergebnis ist eine Außen­ein­heit mit beson­ders ruhigem Lauf­ver­halten und hohem Wirkungs­grad.

Ein Start-up, das Heizen neu denkt

Seit Oktober 2025 ist das Triton-System auf dem Markt und es wurden schon erste Anlagen montiert. Parallel plant das Unter­nehmen bereits den nächsten Schritt: Die Wärme­pumpe soll auch auf dem deut­schen Markt einge­führt werden. Triton kommt zwar ohne zusätz­liche Wärme­quellen aus, jedoch plant Null­punkt Erwei­te­rungen wie die Einbin­dung von Photo­vol­taik oder Abwas­ser­wärme, um Effi­zienz und Eigen­strom­nut­zung weiter zu erhöhen.

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