Auf dem Werkstatttisch in einer Schweizer Garage liegen eine Motorkühlung, ein selbst gebogener Verbundrohrwärmetauscher, die Schläuche eines Frostschutzkreislaufs — und ein ebm-papst Ventilator. Auf dem Boden steht ein Wassertank. Kabelbinder, Werkzeug und eine alte Solewärmepumpe vervollständigen das Provisorium. Drumherum sitzen Thomas Degelo, Michael Egli und Pascal Barmet, tüfteln, diskutieren und schmieden einen Plan. „Wir wollten einfach wissen, ob sich das Prinzip einer Eisspeicherwärmepumpe in so einem kleinen Maßstab umsetzen lässt“, erzählt Thomas Degelo. Er ist jetzt Geschäftsführer der Nullpunkt AG, einem Schweizer Unternehmen, das seit Oktober 2025 die Eisspeicherwärmepumpe „Triton“ speziell für Einfamilienhäuser produziert und vertreibt.
Vom Garagen-Start-Up zur eigenen Firma
Klassische Eisspeicherwärmepumpen eignen sich für große Gebäude: Hotels, Bürokomplexe oder Gewerbebauten. Denn sie arbeiten mit großen, unterirdischen Betonzisternen, die mehrere tausend Liter Wasser fassen. In diesen Tanks liegen Wärmetauscher, über die dem System Wärme aus erneuerbaren Energiequellen zugeführt wird. Entzieht man dem Speicher Wärmeenergie, sinkt die Temperatur bis auf 0° Celsius, das Wasser gefriert und dabei wird Energie frei, die zum Heizen genutzt wird. Durch erneute Wärmezufuhr taut das Eis wieder auf, und der Kreislauf beginnt von vorn. Eisspeicherwärmpumpen sind auf eine saisonale Speicherbewirtschaftung ausgelegt: Im Sommer wird Wärme eingelagert, im Winter abgerufen.


Durch die Rohrschlangen der Wärmetauscher fließt das Wärmeträgermedium und nimmt Energie aus dem Eisspeicher auf. (Bilder | Nullpunkt AG)
Für ein Einfamilienhaus ist so ein übliches System zu groß, zu teuer und viel zu aufwendig. Aber auch herkömmliche Wärmepumpen stoßen an Grenzen: Erdsonden sind genehmigungspflichtig, bauintensiv und teuer. Außen aufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpen brauchen Platz, erfordern eine sorgfältige Schall- und Standortplanung und gefallen so manchen optisch nicht. „Als die drei Ingenieure und Hausbesitzer, die wir sind, wollten wir uns damit nicht abfinden“, sagt Degelo. „Wir haben uns gefragt, warum es kein System gibt, das erneuerbar heizt, ohne tief in den Boden zu gehen oder viel Technik außen aufzustellen.“ So entstand die Idee, eine Eisspeicherheizung zu entwickeln, die auch in eine Garage, einen Kellerraum oder eine Nische passt.
Gesagt, getan. Die drei Ingenieure bauten im Winter 2023 den ersten Prototypen einer kompakten Eisspeicherwärmepumpe bei einem Kollegen ein. Die Ölheizung blieb als Backup angeschlossen, für den Fall der Fälle. Doch der improvisierte Aufbau aus Autokühlern, Verbundrohren, Frostschutzlösung und einem alten Ventilator lief — erstaunlich stabil sogar.
Der erfolgreiche Versuch markierte den Startschuss: 2023 begann die Entwicklung der Eisspeicherwärmepumpe und 2025 gründeten die Ingenieure die Nullpunkt AG — mit dem Ziel, eine marktfähige Eisspeicherwärmepumpe für Einfamilienhäuser zu entwickeln.
Wie funktioniert Triton?
Triton besteht aus drei Elementen: einer Sole-Wasser-Wärmepumpe, einem kompakten Eisspeicher mit rund 1.000 Litern Wasser und einem Außenwärmetauscher, der die Energie aus der Umgebungsluft in den Speicher überträgt. Statt wie klassische Eisspeicher saisonal Wärme zu bevorraten, arbeitet Triton im Tageszyklus: Nachts entzieht die Wärmepumpe dem Speicher Energie. Dabei gefriert das Wasser und die freiwerdende Wärme wird zum Heizen genutzt. Tagsüber und in wärmeren Zeiten wird dem Speicher über den Außenwärmetauscher wieder Umweltwärme zugeführt, sodass das Eis taut und der Kreislauf von vorn beginnt. Die Grundlage dafür liegt in der sogenannten Latentwärme: Wenn man dem Wasser Wärmeenergie entzieht, kühlt es ab bis 0° Celsius, danach kann man weiter Wärmeenergie entziehen, ohne dass das Wasser kälter wird, es gefriert dann und bleibt bei 0° Celsius. Da die Regeneration des Speichers vollständig über die Umgebungsluft erfolgt, benötigt das System weder Erdsonden noch Solarthermie. So lässt sich Triton einfach installieren und auch in dicht bebauten Wohngebieten einsetzen.
Winter im Sommer?
Doch dann war der Winter vorbei – und mit ihm die realen Bedingungen für einen echten Stresstest. Auf den nächsten wollten die drei Ingenieure nicht warten. Also holten sie ihn einfach zurück: In einer gemieteten Tiefgarage bauten sie ein eigenes Klimalabor auf – mit Kälteanlage, Luftbefeuchtung und einer Steuerung, die Frost- und Nebelprofile per Knopfdruck erzeugen konnte. „Wir konnten die Kammer auf minus 15 Grad Celsius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit bringen“, sagt Degelo. „So ließen sich gezielt Situationen testen, die draußen nur selten zusammen auftreten – und schon gar nicht dann, wenn man sie gerade braucht.“ Ein Jahr später installierte Nullpunkt den weiterentwickelten Prototypen erneut beim Kollegen. Es war ein außergewöhnlich kalter Winter mit viel Eisregen – der perfekte Härtetest. Auf Basis dieser Tests nahm Nullpunkt letzte Anpassungen vor. Der Start in den Serienbetrieb war damit greifbar nahe, doch ein entscheidendes Bauteil fehlte noch.

Bei Nacht ist Triton noch leiser – das verdanken wir maßgeblich dem AxiTone.
Thomas Degelo, Geschäftsführer Nullpunkt AG
Schon der allererste Prototyp lief mit einem alten ebm-papst Ventilator, der ursprünglich für ein anderes Projekt des Ingenieurbüros von Degelo bestimmt war. Sein Zweck bestand darin, die Umgebungsluft durch den Außenwärmetauscher zu fördern und so den Eisspeicher zu regenerieren. „ebm-papst kannte ich bereits aus meiner Zeit in der Gebäudetechnik — die Effizienz der Produkte ist mir also bekannt“, sagt Degelo.
Der AxiTone ist unschlagbar leise
Als die Entwicklung weiter voranschritt und das Team einen neuen, effizienteren und deutlich leiseren Ventilator brauchte, nahm Nullpunkt deshalb Kontakt mit ebm-papst in der Schweiz auf. Dort brachte Samuel Schlittler, Außendienst bei ebm-papst in der Schweiz, schnell den passenden Vorschlag ein: den AxiTone, einen speziell für Wärmepumpen entwickelten Axialventilator mit besonders ruhigem Lauf.
Im Eisspeicher der Wärmepumpe gefriert Wasser bei der Wärmeentnahme und taut bei erneuter Energiezufuhr wieder auf. (Video | Nullpunkt AG)
„Der AxiTone der Baugröße 450 mm fügt sich ohne große Anpassungen in das Triton-Konzept ein. Er liefert die nötige Luftleistung, bleibt dabei sehr effizient — und vor allem leise“, erklärt Schlittler. Tagsüber liegt der Geräuschpegel bei rund 53 dB(A), nachts sinkt er sogar auf 35 dB(A). Bei klassischen Wärmepumpen strömt die Luft meist seitlich ein. Bei Triton sitzt der AxiTone oben auf der Außeneinheit und drückt die Luft durch den ringförmigen Wärmetauscher nach unten. Diese Luftführung sorgt für eine gleichmäßige Durchströmung des Wärmetauschers und trägt wesentlich zur geringen Geräuschentwicklung bei. „Der AxiTone ist für uns ein großer Vorteil“, sagt Degelo. „Bei Nacht ist Triton im Vergleich zu anderen Wärmepumpen auf dem Markt kaum hörbar — das verdanken wir maßgeblich diesem Ventilator.“

Zudem brachte die Strömungstechnik von ebm-papst in Mulfingen ihre Expertise in die Weiterentwicklung ein: Gemeinsam optimierten die Partner die gesamte Luftführung, passten Leitbleche an, verfeinerten die Wärmetauscher-Geometrie und stimmten die Strömungswege aufeinander ab. Das Ergebnis ist eine Außeneinheit mit besonders ruhigem Laufverhalten und hohem Wirkungsgrad.
Ein Start-up, das Heizen neu denkt
Seit Oktober 2025 ist das Triton-System auf dem Markt und es wurden schon erste Anlagen montiert. Parallel plant das Unternehmen bereits den nächsten Schritt: Die Wärmepumpe soll auch auf dem deutschen Markt eingeführt werden. Triton kommt zwar ohne zusätzliche Wärmequellen aus, jedoch plant Nullpunkt Erweiterungen wie die Einbindung von Photovoltaik oder Abwasserwärme, um Effizienz und Eigenstromnutzung weiter zu erhöhen.

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