© Martin Wagenhan

Klima bestellt, prima gelie­fert

Europas führende Mode-Online-Platt­form Zalando hat in Lahr ein 130.000-Quadratmeter-Logistikzentrum eröffnet. Multi­Cross über­nahm die Klima­ti­sie­rung. Als wären die tech­ni­schen Heraus­for­de­rungen nicht genug gewesen, stand auch noch eine neue EU-Effi­zi­enz­richt­linie an – mit unklaren Vorgaben.


Früh­jahr 2017, Lahr

Männer und Frauen schieben kleine Wagen durch die Gänge. Links und rechts Schuh­kar­tons, verpackte Hüte, T-Shirts, Leder­ja­cken, Sport­so­cken und BHs. Immer wieder blicken sie auf den Monitor ihrer Scanner, greifen in die Regale und bringen die Waren zu einem Förder­system, das sie weiter zu den Verpack- und Versand­sta­tionen leitet. Christof Krause lässt kurz einen Mitar­beiter mit Wägel­chen vorbei und atmet tief ein. „Gute Luft hier. Da wir den Außen­luft­an­teil in der Halle frei program­mieren können, expe­ri­men­tieren wir gerade damit: Wie viel Außen­luft wollen wir haben, wie viel ist unter Effi­zi­enz­ge­sichts­punkten sinn­voll? Wir verlassen uns da nicht nur auf Mess­werte, sondern auch auf unsere Nasen.“ Krause ist Leiter der Gebäu­de­technik eines neu errich­teten, 130.000 Quadrat­meter großen Logis­tik­zen­trums der Mode-Online­platt­form Zalando. Die Mega­halle steht in Lahr im Schwarz­wald, kurz vor der Rhein­grenze zu Frank­reich.

Ende 2015, Emme­rich

Christof Krause blickt zufrieden auf die Klima­ti­sie­rungs­lö­sung. (Foto | Martin Wagenhan)

530 Kilo­meter fluss­auf­wärts an der Rhein­grenze zu den Nieder­landen brütet Frank Reimann, Geschäfts­führer der Klima­ti­sie­rungs­firma Multi­Cross, über den Bauplänen zu Zalandos Logistikzen­­trum. Reimann hat den Auftrag, dafür zu sorgen, dass in jeder Ecke des neuen Logis­tik­zen­trums zu jeder Zeit konstant 22 Grad Celsius Tempe­ratur herr­schen.

„Zalando stellt sehr hohe Ansprüche an die Arbeits­umgebung und plant mit äußerst nied­rigen Tole­ranzen. Wenn die sagen, 22 Grad sommers wie winters, und das überall, dann meinen die das so.“ Eine immense Heraus­for­de­rung, zum Beispiel im soge­nannten Kommis­sio­nier­lager, wo die Mitar­beiter die Waren aus den Regalen greifen: Dieses Lager umfasst 175 Reihen auf fünf Ebenen, zukünftig dicht bepackt mit Klei­der­kar­tons. „Die Luft­füh­rung in diesem Teil der Halle ist beson­ders komplex. Dazu kommt die schiere Menge. Wir müssen rund eine Million Kubik­meter Luft pro Stunde umwälzen.“ Schon in knapp einem Jahr soll das Logis­tik­zen­trum im Großen und Ganzen fertig sein. Die gesamte geplante Bauzeit beträgt nur rund acht Monate; im Moment ist das Hallen­ge­lände eine schlam­mige Wiese.

Gute Luft hier. Da wir den Außen­luft­an­teil in der Halle frei program­mieren können, expe­ri­men­tieren wir gerade damit. Christof Krause, Leiter Gebäu­de­technik Zalando in Lahr

Die meisten Sorgen macht sich Reimann zurzeit wegen der kommenden ErP-Richt­linie 2016 der Euro­päi­schen Union. Sie erhöht die Effi­zi­enz­an­for­de­rungen an Raum­klimatisierung vom 1. Januar 2016 an. „Das Problem ist, dass solche Richt­li­nien fast bis zum Schluss verhan­delt werden. Und selbst am Tag des Inkraft­tre­tens sind viele wich­tige Details noch unklar. Die Erfah­rung zeigt, dass am Stichtag die große Rück­fra­gerei erst losgeht.“ Reimann fühlt sich, als stochere er im Nebel: Wie soll er Zalando bei diesem rasanten Groß­pro­jekt eine norm­ge­rechte Klima­ti­sie­rung bieten, wenn er die Norm nicht kennt?

Früh­jahr 2017, Lahr

Christof Krause schaut stolz auf den soge­nannten Sorter, der die Klei­der­pa­kete für die Post auto­ma­tisch nach Desti­na­tion vorsor­tiert. Das Logis­tik­zen­trum bedient haupt­säch­lich Süddeutsch­land, die Schweiz und Frank­reich und wird zukünftig Kunden in 15 Märkten in Europa belie­fern. „Wir stellen die vorsor­tierten Container in den Hof und nachts kommen die DHL-Last­wagen und nehmen sie mit.“ Der Betrieb läuft noch nicht auf vollen Touren. Das Logis­tik­zen­trum wird ein halbes Jahr nach Start des Test­be­triebs immer noch aufge­füllt, an manchen Förder­sys­temen werkeln die Monteure noch, 450 Menschen kommen momentan täglich zur Arbeit — mittel­fristig sollen es mehr als 1.000 sein. „Um einmal die Dimen­sionen klar­zu­ma­chen: Am Ende liegen hier mehrere Millionen Einzel­ar­tikel, vom Strampler bis zum Stiefel. Das Sorti­ment wech­selt ständig. Wir rechnen mit einem Waren­aus­gang von mehreren Zehn­tau­send Paketen am Tag.“
 

Zalando gibt es erst seit 2008. Das Start-up-Unter­nehmen zog schnell an den alten Platz­hir­schen vorbei und ist heute Europas führende Online­platt­form für Mode, die 2016 einen Umsatz von rund 3,6 Milli­arden Euro erwirt­schaf­tete. Bei Lahr im Schwarz­wald entstand das inzwi­schen vierte deut­sche Logis­tik­zen­trum des Unter­neh­mens. Früher war das Gelände ein NATO-Flug­hafen der kana­di­schen Luft­waffe. Seit es vor ein paar Jahren als Bauland frei­ge­geben wurde, entsteht dort ein Logis­tik­zen­trum nach dem anderen. „Die Konkur­renz um gute Mitar­beiter in der Region ist groß. Da müssen wir einiges bieten. Neben einer ange­mes­senen Vergü­tung müssen vor allem auch die Arbeits­be­din­gungen sehr gut sein. Darum ist uns auch eine konstant ange­nehme Tempe­ratur so wichtig.“ Gezielt wirbt man auch um fran­zö­si­sche Grenz­gänger: Alles hier ist zwei­spra­chig und jeder Mitar­beiter bekommt gratis Unter­richt in der jeweils anderen Sprache.

Ende 2015, Emme­rich

Als Frank Reimann über die immer noch vage ErP-Richt­linie 2016 verzwei­felt, fällt ihm ein, dass Multi­Cross Premi­um­partner von ebm-papst ist. Premi­um­partner bekommen Bau- und Ersatz­teile schneller gelie­fert und werden bei Projekten beson­ders stark unter­stützt. Diese Hilfe kann er nun gut gebrau­chen, denn ebm-papst war von Anfang an betei­ligt an der Erar­bei­tung der verschie­denen ErP-Richt­li­nien. Auch jetzt. „Die Grenz­werte standen fest, aber es war einfach unklar, welche Krite­rien konkret gelten werden.“ Kann man etwa den hohen Wirkungs­grad eines EC-Venti­la­tors mit dem nied­rigen eines bestimmten Filters gegen­rechnen, um ein norm­ge­rechtes Gesamt­system zu errei­chen? Es war je nach Lesart noch nicht einmal klar, ob ErP 2016 über­haupt für Logis­tik­hallen wie bei Zalando gilt. „Von ebm-papst bekam ich immer beson­ders fundierte Einschät­zungen, sodass wir Planungs­si­cher­heit für das Zalando-Projekt hatten.“

Herbst 2016, Lahr

Frank Reimann ist im Schwarz­wald vor Ort. Ein Kran hievt nach­ein­ander 25 Wärme­rück­ge­win­nungs­an­lagen, jede so groß wie eine Doppel­ga­rage, auf das 17 Meter hohe Hallen­dach. Dazu kommen insge­samt 84 Gasmo­toren, die die Anlagen antreiben. Die Wärme­rück­ge­win­nungs­an­lagen über dem soge­nannten Sozi­al­trakt mit Büros, Küche, Kantine und Umkleiden sind mit beson­ders leisen und spar­samen RadiPac EC-Venti­la­toren ausge­stattet. Nach der Basis­in­stal­la­tion beob­achtet Frank Reimann die Inbe­trieb­nahme der Elek­trik, der Sensoren und Daten­wege.

Frank Reimann genießt das ange­nehme Klima in der Kantine von Zalando. (Foto | Martin Wagenhan)

„Zusammen mit Siemens haben wir die Soft­ware EcoS­mart entwi­ckelt. Damit sehen unsere Kunden die entschei­denden Werte, wie etwa Tempe­ratur oder CO2-Konzen­tra­tion immer auf einen Blick und können sie von einem zentralen Rechner aus regeln.“ Die Daten werden in einer sicheren Cloud gespei­chert. Bei auffäl­ligen Werten sendet der gemeinsam mit ebm-papst entwi­ckelte digi­tale Assis­tent MultiT­rend Viewer dem zustän­digen Haus­tech­niker eine Warn-E-Mail oder Multi­Cross kann per Fern­war­tung eingreifen. „Mit dem Trend zur smarten Haus­technik und zu Indus­trie 4.0 wird so ein Service immer mehr als Stan­dard erwartet. Da hilft es unge­mein, dass zum Beispiel die EC-Venti­la­toren ganz einfach per MODBUS-RTU ange­steuert werden können und es kein großer Aufwand ist, sie in ein Infor­ma­ti­ons­system hinein­zu­kriegen.“

Die Grenz­werte standen fest, aber es war einfach unklar, welche Krite­rien konkret gelten werden. Frank Reimann, Geschäfts­führer Multi­Cross

Früh­jahr 2017, Lahr

Christof Krause sitzt in einem der zahl­rei­chen Bespre­chungs­räume. „Solche Soft­wares betrachten wir bei Zalando als gute Über­gangs­lö­sungen. Wir bauen gerade eine zentrale Soft­ware auf für alle Logis­tik­zen­tren mit sämt­li­chen Daten aus der Haus­technik — nicht nur dem Klima. Die soll herstel­ler­un­ab­hängig sein.“ Zalando will dadurch eine bessere Vergleich­bar­keit der Werte bei bestehenden Groß­hallen errei­chen, zum Beispiel Ener­gie­ver­brauch in Watt pro vorrä­tigem Artikel. Das Unter­nehmen erhofft sich dadurch Effi­zi­enz­ge­winne und Rück­schlüsse für künf­tige Neubauten. Und das Haus­tech­nik­team muss dann nur eine Soft­ware erlernen. „Für dieses Projekt ist es eine große Hilfe, dass die Anlagen von Multi­Cross komfor­tabel in die Soft­ware zu inte­grieren sind. Wir können die für uns wich­tigen Daten­punkte dort sehr leicht abgreifen. Gleich­zeitig wird die Fern­war­tung trotzdem weiter funk­tio­nieren. Für uns die opti­male Lösung.“

Sommer 2017, Lahr

Die Sonne brennt mit 36 Grad Celsius auf den Schwarz­wald nieder. Die Wasser­spender der Zalando-Halle haben trotzdem nicht mehr zu glucksen als sonst. Während alle Kunden gerade nur noch Sandalen und Bikinis bestellen, halten es die Zalando-Mitar­beiter im Logis­tik­zen­trum auch locker mit langen Hosen und geschlos­senen Sicher­heits­schuhen aus.

 

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