Unterwegs Musik oder auf dem Sofa Serien streamen, kurz eine neue Hose bestellen, mit der Freundin in Übersee chatten – die digitale Welt macht’s möglich. Und das passiert scheinbar unsichtbar und körperlos. Nichts ist falscher als das: Jede Information ist auf handfeste Infrastruktur angewiesen, reist als Datenpäckchen aus Elektronen und Photonen in Glasfasern von A nach B. Ein wichtiges Rückgrat unseres digitalen Lebens sind dicht gedrängte, Millionen Kilometer lange Unterseekabel sowie unzählige Empfangs- und Übergabestationen an Land. Wenn dort etwas schiefgeht, kommt es zu Verzögerungen, Datenverlusten oder im schlimmsten Fall zum Zusammenbruch des Netzes.

Unsere Kunden bauen heute Kapazitäten für die nächsten 15 Jahre auf. Das bedeutet mehr Racks, mehr Wärme und mehr zu kühlen.
Andre Hudson, Design Manager Tyrone Fabrication
Wo das Internet eine Adresse hat
Andre Hudson, Design Manager bei Tyrone Fabrication, weiß das, denn es ist sein Job, sicherzustellen, dass das niemals passiert. Unternehmen, die EU-weit Glasfaser- und Telekommunikationsnetze verlegen, beauftragen Tyrone Fabrication damit, die zugehörige kritische Infrastruktur zu bauen. Meistens sind das sehr unscheinbare, containerähnliche Gebäude. Sie enthalten und schützen die empfindliche Technik, die unseren täglichen Internetgebrauch ermöglicht. Da sind beispielsweise Cable Landing Stations, die wahren Knotenpunkte des Internets: Dort werden die optischen Signale eines Unterseekabels ans terrestrische Netz übergeben. Oder In-Line Amplifier, die auf langen Glasfaserstrecken ungefähr alle 70 Kilometer das Signal verstärken. Oder kleine Glasfaserstationen, wie die auf der schönen irischen Insel Arranmore. Im nur wenige Quadratmeter großen Häuschen steckt komplexe Technik, die Glasfaserleitungen bündelt, den Datenverkehr weitergibt und überwacht – und dabei viel Wärme erzeugt.
Guter Empfang
Andre Hudson von Tyrone Fabrication und Ray O’Connor von Akrivis auf der irischen Insel Arranmore. Der kleine graue Container ist eine Glasfaserstation: Andre Hudson hat sie gebaut, Ray O’Connor hält sie kühl.

Verstärkte Glasfasersignale
Tyrone baut europaweit Gebäude für kritische Infrastruktur wie Cable Landing Stations oder In-Line Amplifier. Diese verstärken Glasfasersignale auf langen Strecken.
„Wärme ist der größte Feind des sicheren Netzbetriebs“, sagt Andre Hudson, während er neben dem Häuschen auf Arranmore steht und ihm der Wind um die Ohren fegt. „Egal um welche Art von kritischer Infrastruktur es geht.“ Deswegen ist Ray O’Connor, Commercial Director von Akrivis auch mit vor Ort. Der Klimatisierungsspezialist liefert modulare Kühllösungen für die Stationen, die Tyrone baut. Hudson und O’Connor arbeiten seit vielen Jahren zusammen, ihre Unternehmen bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten. Am Anfang lieferte Akrivis Tyrone nur einzelne Ventilatoren für kleinere Projekte, heute haben sie ein breites Portfolio für Datacenter-nahe Anwendungen. Und dabei setzen sie komplett auf Ventilatoren von ebm-papst.
Die Wärmelast entscheidet
Wenn Tyrone ein neues Projekt plant, ist die Planung der Kühlung einer der ersten Schritte. Grundlage dafür: der Standort des Gebäudes und die Anzahl der darin verbauten 19-Zoll-Racks. Bei einem typischen In-Line Amplifier sind das meistens rund 24. „Der Kunde sagt uns, wie viel Wärme jedes Rack im Betrieb erzeugt. Das können zwischen zwei und drei Kilowatt sein, bei höherer Rack-Dichte auch mehr“, erklärt Hudson. Daraus ergibt sich die angenommene Wärmelast, die Platzierung der Technik – zur Überwachung, Steuerung, Stromversorgung – und der Kühlbedarf. Die typische Lösung von Akrivis für einen In-Line Amplifier sind sogenannte Dual Cooling Units, die Tyrone außen am Gebäude montiert. Dual bedeutet: Die Einheiten belüften im Freikühlmodus mit Umgebungsluft und schalten nur bei hohen Außentemperaturen einen separaten Kältekreislauf dazu.
Kühlen mit Umgebungsluft
Dafür verbaut Akrivis, abhängig vom Modell, zwischen drei und sechs ebm-papst Ventilatoren der Modelle AxiEco und RadiCal. Im Freikühlbetrieb saugt ein Radialventilator kühle Umgebungsluft von außen an und leitet die warme Abluft durch ein Gitter und AxiEco nach außen ab. Der RadiCal wird intelligent nach aktueller IT-Last und Umgebungstemperatur geregelt und erreicht einen Volumenstrom von bis zu 3.500 Kubikmetern pro Stunde.
So funktionieren die Dual Cooling Units

Die Dual Cooling Units werden außen an den Gebäuden angebracht. Sie vereinen einen Freikühlmodus, also das Kühlen mit Umgebungsluft (A), mit einer mechanischen DX-Kühlung (B). So garantieren Akrivis und Tyrone den sicheren Netzbetrieb. (Grafik | Gernot Walter)
Überschreitet die Umgebungstemperatur den Sollwert, deaktiviert die Steuerung den Freikühlmodus und schaltet die mechanische DX-Kühlung ein. In diesem Modus übernimmt ein weiterer RadiCal die Luftzirkulation über den Kältekreis, ein AxiEco führt als Kondensatorventilator die Wärme nach außen ab – mit einem Volumenstrom von bis zu 6.000 Kubikmetern pro Stunde. Für den Kältekreislauf nutzt Akrivis einen Kompressor mit variabler Drehzahl, der die präzise Temperatur gewährleistet.
„Server haben heute viel höhere Temperatur-Sollwerte als früher. Gleichzeitig erreichen wir durch die variable Drehzahl der Ventilatoren genau die richtige Temperatur mit weniger Energie“, erklärt Ray O’Connor. „Selbst in heißen Regionen wie Südfrankreich können wir – je nach Sollwert – mehr als 90 Prozent des Kühlbedarfs allein mit Umgebungsluft decken.“ Das senkt den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen der kritischen Infrastruktur enorm. Akrivis ermöglicht Kunden nach eigenen Angaben so eine Power Usage Effectiveness (PUE) von nur 1,04. Das bedeutet: Für jede Einheit Strom, die IT-Systeme wie Server verbrauchen, benötigt die Infrastruktur nur vier Prozent on top für die Kühlung.

Made in Ireland
Akrivis entwirft und produziert seine unterschiedlichen Kühllösungen in Portlaiose, Irland. Das Unternehmen ist stolz auf seine lokale und europäische Wertschöpfung.

Doppelte Kühlung
Die Dual Cooling Units von Akrivis kombinieren die Kühlung mit Umgebungsluft mit einer mechanischen DX-Kühlung. Dafür nutzen sie RadiCal und AxiEco Ventilatoren.
Lange Zusammenarbeit
Akrivis setzt schon von Anfang an auf Ventilatoren von ebm-papst – je nach Kühllösung spezielle Modelle in unterschiedlichen Baugrößen. Denn die Effizienz der Kühllösungen ist für Kunden ein entscheidendes Kaufargument.
Sicherheit ist das A und O
Unabhängig von der Gebäudegröße plant Tyrone die Kühlung immer mit einer N+1 - Redundanz also einer Einheit auf Reserve, sollte eine ausfallen. Die Ventilatoren selbst verfügen über die Umweltschutzklasse H2, das bedeutet, sie halten direkter Wassereinwirkung dauerhaft stand, ohne Gefahr von Korrosion. Beides ist den Kunden aus Sicherheitsgründen wichtig. Auch auf Lärmschutz legen die Netzausbauer Wert. Gerade bei Gebäuden, die in Stadtnähe stehen, führen sie vor der Inbetriebnahme Messungen durch, erklärt Andre Hudson: „Mit der Kühllösung von Akrivis sind wir auf der sicheren Seite. Die Ventilatoren sind selbst bei hoher Drehzahl extrem leise.“

Wir schaffen mehr als 90 Prozent des Kühlbedarfs nur mit Umgebungsluft.
Ray O’Connor, Commercial Director Akrivis
Die modularen und Plug-&-Play-fähigen Einheiten von Akrivis erleichtern Hudson die Arbeit. Aber es gibt auch Projekte, die ganz anders laufen. Dieses Jahr beauftragte ein Kunde Tyrone mit dem Bau einer Cable Landing Station, aber weil er bereits ein Gebäude in Meeresnähe hatte, sollte Tyrone dort hinein bauen – ein Haus im Haus. „Platz wird in manchen Gegenden knapp, unser Kunde wollte die vorhandene Fläche nutzen. Allerdings war nun die Frage: Wie kühlen wir mit Außenluft, wenn keine da ist?“ Am einfachsten wäre es gewesen, Einheiten mit Kältekreislauf zu verwenden. Doch der Kunde wünschte sich aus Effizienzgründen eine Lösung mit Freikühlung.
Andre wandte sich an Akrivis: Wie kann das klappen? Die Ingenieure modifizierten eine klassische CRAC-Einheit so, dass sie mit aus Luftkanälen zugeführter Frischluft die erforderliche Leistung bringen. Zur Sicherheit entwickelten sie zudem einen Notfall-Kühlmodus: Bei einem dreiphasigen Stromausfall werden die Ventilatoren von Batterien mit Strom versorgt, sodass weiterhin eine Kühlleistung gewährleistet ist. Andre Hudson war zufrieden: „Genau in solchen Projekten zeigt sich, wie gut unsere Zusammenarbeit als jahrelange Partner funktioniert. Wir verlassen uns auf die Expertise und das Know-how von Akrivis.“
Effizient auch bei hoher Leistung
Eine Mitarbeiterin verbaut und verkabelt die Ventilatoren. Die Kombination aus RadiCal und AxiEco sorgt in der Dual Cooling Unit für höchste Effizienzwerte. Akrivis ermöglicht Kunden nach eigenen Angaben so eine Power Usage Effectiveness (PUE) von nur 1,04.

Mechanische DX-Kühlung
Ein Mitarbeiter verschweißt den Wärmetauscher. Der RadiCal führt die Luft im DX-Modus über den Kältekreis. Ein Kompressor mit variabler Drehzahl gewährleistet die präzise Temperatur.

Sicherheit im Fokus
Die Ventilatoren verfügen über die Umweltschutzklasse H2 und sind auch bei hoher Leistung leise. Letzteres ist Kunden, die Gebäude in Stadtnähe bauen, wichtig.
Verändert KI alles?
Beides – Expertise und Know-how – wird immer wichtiger, denn dank KI wird alles enger und heißer. Die Datenmengen wachsen und große Cloudanbieter, sogenannte Hyperscaler, drängen auf stärkere Infrastrukturen. Andre Hudson bemerkt es bereits jetzt: „Unsere Kunden haben es schwer, an bezahlbare Grundstücke zu kommen. Deswegen bauen sie bereits heute Kapazitäten für die nächsten 10, 15 Jahre auf – das bedeutet, wir verbauen immer mehr und leistungsstärkere Racks in kleine Gebäude.“ Ray O’Connor ergänzt: „Heute können wir bis zu zwölf Kilowatt Wärmeleistung pro Rack mit Luft kühlen. Diese erhöhte Wärmebelastung ist sowohl für Hyperscaler als auch für andere KI-fähige Infrastrukturen von Bedeutung – und manche sprechen schon von 100 Kilowatt und mehr. Das sind Zahlen, die unsere Arbeit und die erforderliche Kühlung verändern. Kühllösungen werden noch wichtiger, um die ständige Erreichbarkeit von Mail bis Chatbot und Streamingdienst zu garantieren.“
Auf Arranmore ist noch wenig davon zu spüren. Ein kleines, unscheinbares Gebäude am Rand der Küste erledigt leise und zuverlässig seine Arbeit. Die kühle Brise weht hier draußen von allein.


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