Herr Duckeck, was ist Ihre Aufgabe als Direktor für Patent- und Markenrecht im Unternehmen?
Zusammen mit meinen sieben Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bearbeiten wir alle Aufgaben im Zusammenhang mit Patenten, Geschmacksmustern und Markenschutz. Dazu gehört die Verfolgung von Patentverletzungen. Ich sorge dafür, dass gefälschte ebm-papst-Produkte vom Markt genommen werden und unseren guten Namen nicht schädigen.
Wie funktioniert das konkret?
Wir arbeiten dazu mit einer Agentur namens CorSearch zusammen. Deren Software, die auch künstliche Intelligenz einsetzt, durchforstet das Internet nach Angeboten von ebm-papst Produkten. Die lernfähige Software erkennt dabei Fälschungen, die dann auf einer Liste landen. Wir schauen uns diese Liste an und entscheiden, welche Anzeigen gelöscht werden müssen.
Läuft das immer so?

Nein, manchmal kommen auch Kunden auf uns zu, die die Qualität unserer Produkte kennen und bei denen es aber auf einmal Probleme gibt. Ein Beispiel: Wir erhielten von einem Kunden eine Beschwerde, weil verbaute Lüfter zu laut waren.
Wir fanden heraus, dass der Zulieferer im Internet unwissentlich gefälschte ebm-papst Produkte gekauft hatte, weil es bei uns zu dieser Zeit einen Lieferengpass gab. Eigentlich bei allem Frust ein Kompliment für uns: Der Kunde war von unseren Produkten eine höhere Qualität gewohnt.
Wie viele Fälschungen verfolgen Sie regelmäßig?
In Zusammenarbeit mit Corsearch haben wir im Jahr 2021 rund 70.000 Anzeigen im Netz überprüft. Davon hat uns Corsearch 60.000 als potenzielle Fälschungen gemeldet, 42.080 wurden entfernt.
Gibt es manchmal falschen Alarm?
Das kommt zwar selten vor, aber, das gibt es. Einmal hatten wir den Fall, dass eine Auszubildende Bilder gefälschter Ware in einem Angebot im Internet platzierte. Wir haben bei der Überprüfung aber festgestellt, dass der Händler autorisiert und das mit den Bildern nur ein Versehen war.
Update: ebm‑papst deckt erneut chinesisches Fälschernetzwerk auf
ebm‑papst, führender Hersteller von Ventilatoren und Motoren mit Hauptsitz in Mulfingen, beweist erneut sein unermüdliches Engagement für den Schutz seiner Kunden und die Wahrung der Markenreputation. Ermittler deckten im September 2024 eine chinesische Fabrik auf, welche gefälschte ebm‑papst Produkte verkaufte. Bereits vor rund einem Jahr gelang dem Unternehmen eine erfolgreiche Razzia gegen eine Fälscherfabrik. Jährlich verursachen Fälschungen und die dazugehörigen Ermittlungen mehrere hunderttausend Euro wirtschaftlichen Schaden und Gesamtkosten bei ebm‑papst.
Anfang Juli 2024 erhielt ebm‑papst erneut einen Hinweis eines langjährigen Kunden, welcher Produkte des Unternehmens erhalten hatte, die im Vergleich zu früheren Käufen eine mindere Qualität aufwiesen. Ralf Duckeck, Vice President Intellectual Property (Verantwortlicher für Patente und Geistiges Eigentum) der ebm‑papst Gruppe, und sein international agierendes Team reagierten direkt auf diesen Verdacht der Produktfälschung und versuchten weitere Details herauszufinden.

„Produktfälschungen stellen eine erhebliche Bedrohung für die Integrität unserer Marke und die Sicherheit unserer Kunden dar. Gefälschte Produkte können minderwertige Materialien enthalten und nicht den strengen Qualitäts- und Sicherheitsstandards entsprechen, die wir für unsere Originalprodukte gewährleisten. Wir setzen uns daher intensiv dafür ein, Fälschungen zu bekämpfen und unsere Kunden zu schützen.“, erklärt Duckeck.
Aufwendige Ermittlungen führten das Team zu einer mutmaßlichen Fälscherwerkstatt in Foshan, welche vorgab eine ebm‑papst Niederlassung zu sein. Der Verdacht gegen diese Werkstatt verhärtete sich, nachdem dort gefälschte ebm‑papst Etiketten gefunden wurden. Weitere Nachforschungen ergaben, dass der Betreiber dieser Fälscherwerkstatt bereits verantwortlich für die 2023 durch ebm‑papst aufgelöste Fabrik war und nun seine Firmenfläche verlagert, sowie deutlich vergrößert hatte. Der besagte Betreiber konnte sich damals den chinesischen Behörden entziehen, war jedoch bereits polizeibekannt, da er schon im Jahr 2016 bei solchen Aktivitäten erfasst werden konnte.
Die Bekämpfung von Produktfälschungen hat für den Schutz unserer Markenreputation höchste Priorität.
Dr. Klaus Geißdörfer, CEO der ebm‑papst Gruppe
Aufgrund der Ermittlungsergebnisse und der sich daraus ergebenden Beweislast, wurde das Foshan Public Security Bureau (PSB) informiert. Dies beschloss im September gemeinsam mit dem Team von ebm‑papst eine unangekündigte Razzia durchzuführen. Hierbei konnten erfolgreich die Verantwortlichen der Fälscherwerkstatt festgenommen werden.
Zu den Aktivitäten der Fälscherwerkstatt in Foshan gehörte der Kauf von gebrauchten ebm‑papst Original-Ventilatoren aus Übersee, welche aufgearbeitet und anschließend neu etikettiert wurden. Die überholten Ventilatoren wurden als neue Original-Produkte weiterverkauft. Bei der Razzia wurden insgesamt vier Personen festgenommen, darunter der Betreiber der Fälscherwerkstatt und seine Frau. Mit dieser Festnahme gelang es ebm‑papst ein professionellen Fälscherring auszuschalten. Außerdem wurden bei der Razzia über 300 Ventilatoren sichergestellt, sowie rund 500 ebm‑papst Etikette. Auch Produkte und Etiketten von branchenähnlichen Herstellern konnten die Ermittler sicherstellen.
Der Fall wurde inzwischen der Staatsanwaltschaft in China übergeben. Es ist davon auszugehen, dass eine Geld- und Gefängnisstrafe dazu führen wird, dass es dem Fälscher nahezu unmöglich sein wird, erneut eine Werkstatt zu eröffnen.
„Die Bekämpfung von Produktfälschungen hat für den Schutz unserer Markenreputation höchste Priorität. Unsere Kunden verlassen sich auf die Qualität und Zuverlässigkeit der ebm‑papst Produkte, und es ist unser Anspruch, dieses Vertrauen zu wahren. Die erfolgreichen Ermittlungen unterstreichen unser Engagement, unsere Kunden vor minderwertigen Nachahmungen zu schützen. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass sie stets die Qualität und Leistung erhalten, die sie von ebm‑papst erwarten – keine Kompromisse, keine Fälschungen“, betont Dr. Klaus Geißdörfer, CEO der ebm‑papst Gruppe.

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