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Der Trocken­eis­mann ist da!

Sand und Wasser waren gestern: Das US-ameri­ka­ni­sche Unter­nehmen Cold Jet schwört auf Trockeneis zur Reini­gung von, ja, so ziem­lich allem.


Cincin­nati, an einem belie­bigen Sonntag Anfang der 1970-er Jahre: Das Mittag­essen auf dem Tisch dampft immer weniger, die elter­liche Geduld wird mal wieder auf eine harte Probe gestellt. Der kleine Dave ist zu versunken im Spiel, um die Rufe zu hören. Gerade hat er passende Lego­steine gefunden für die Kühler­haube seines Trucks. „Ich gehöre zu einer der ersten Genera­tionen, die mit Lego spielten. Damals gab es dafür noch kaum Baupläne. Wenn ich etwas Bestimmtes haben wollte, musste ich mir selbst einfallen lassen, wie ich es bauen kann“, sagt Dave Burbrink fast 50 Jahre später.

Seit fast 25 Jahren brennt Dave Burbrink für Trockeneis – und schon immer ­befeu­erten ihn tech­ni­sche Heraus­for­de­rungen. Im PCS 60 steckt jede Menge Inge­nieurs­lei­den­schaft des tech­ni­schen Direk­tors von Cold Jet. (Foto | Aaron M Conway / Foto­gloria)

Viel hat sich seither nicht geän­dert: Noch immer kann Burbrink seinen Wohnort Cincin­nati, seine Arbeits­stätte im nahen Love­land, den umlie­genden US-Bundes­staat Ohio, über­haupt die Welt um sich herum vergessen, wenn es tech­ni­sche Lösungen zu finden gilt. Denn noch immer brennt er dafür. „Nur die Spiel­zeuge wurden größer“, sagt er mit einem Augen­zwin­kern und meint die Heraus­forderungen, die im Lauf seiner Karriere immer anspruchs­voller wurden. 20 Jahre lang war Burbrink als externer Produkt­de­si­gner für Cold Jet tätig.

Vor vier Jahren wurde er Teil des Inge­nieur­teams, avan­cierte zum tech­ni­schen Direktor und über­nahm die Verant­wor­tung für das ­globale Design der ECaSP-Systeme des Unter­neh­mens. ECaSP bedeutet Envi­ron­mental Clea­ning and Surface Prepa­ra­tion – das sagt aller­dings noch gar nichts aus über den coolen Clou des Unter­neh­mens: Cold Jet entwi­ckelt und fertigt seit 1986 gewerb­liche Reini­gungs­sys­teme, die mit Trocken­eis arbeiten. Zerklei­nert und mit Hoch­druck auf eine verschmutzte Ober­fläche geblasen, reinigt das feste Kohlen­stoff­di­oxid so effi­zient und scho­nend, dass das beim Betrachter ordent­lich Eindruck hinter­lässt.

Burbrink selbst war vor fast 25 Jahren von den Socken, als er zum ersten Mal mit Cold Jet in Berüh­rung kam. „Ich trug Turn­schuhe mit weißer Gummi­sohle und ließ sie mir aus Neugier ab­strahlen. Danach wusste ich: Das ist wirk­lich etwas Beson­deres!“

Cold Jet will mehr

Das Trockeneis, ein Neben­pro­dukt von indus­tri­ellen Prozessen wie beispiels­weise der Zucker­fer­men­tie­rung in Braue­reien, bringt Verschmut­zungen auf Ober­flä­chen förm­lich zum Abplatzen, hinter­lässt selbst aber keinerlei Spuren, da es rück­standslos direkt vom festen in den gasför­migen Zustand über­geht. Außerdem ist es umwelt­ver­träg­lich, nicht leitend und lebens­mit­tel­taug­lich. Dabei kann es entweder extrem stark sein und beispiels­weise Teer von Asphal­tier­ma­schinen lösen oder ganz sanft. „Man kann mit einem Trocken­eisstrahler sogar das M von einem M&M entfernen – und die Scho­ko­linse danach problemlos essen“, sagt ­Burbrink und lässt in seiner Begeis­te­rung den kleinen Jungen von damals durch­blitzen, der sein Werk bestaunt.

Macht was her und ordent­lich was weg: Festes Kohlen­stoff­di­oxid, auch Trockeneis genannt, lässt saubere Träume wahr werden. (Foto | Aaron M Conway / Foto­gloria)

Etwas Entschei­dendes hat sich seither aller­dings doch geän­dert: Burbrink muss sich im Zwei­fels­fall nicht allein etwas einfallen lassen, wenn er auf ein bestimmtes Ziel hin entwi­ckelt: Er hat sein Team – und Partner, die ihm zur Seite stehen.

Wie ebm-papst beim jüngsten großen Wurf von Cold Jet, dem Trocken­eisstrahler PCS 60. Der kam in diesem Jahr auf den Markt und ist der Auftakt der „Aero 2“-Serie. „Die Idee war, mit weniger Eis, weniger Luft und weniger Geräusch in kürzerer Zeit denselben Effekt zu erzielen“, erklärt Burbrink. „Wir wollten eine Maschine entwi­ckeln, die mehr Funk­tionen hat – und wir wollten sie kleiner machen.“

Intel­li­gente Antriebe

Das stellte die Produkt­ent­wickler von Cold Jet vor ziem­liche Heraus­for­de­rungen. Sie holten Craig Kovarik von ebm-papst in den USA ins Boot und bespra­chen mit dem Vertriebs­in­ge­nieur Unsi­cher­heiten bei Para­me­tern wie Dreh­zahl und Dreh­mo­ment. „Craig und seine Kollegen unter­stützten uns dabei, die rich­tigen Para­meter zu wählen“, sagt Burbrink. Doch allein mit dem Fest­legen von Para­me­tern war es natür­lich noch nicht voll­bracht: „Wir brauchten Antriebe, die in der Lage sind, eine große Band­breite von Para­me­tern abzu­bilden. Und wir brauchten intel­li­gente Antriebe, die über das IoT Größen wie Dreh­zahl oder Tempe­ratur kommu­ni­zieren können. ebm-papst hat uns diese Intel­li­genz gelie­fert.“

„Die Idee war, mit weniger Eis, weniger Luft und weniger Geräusch in kürzerer Zeit denselben Effekt zu erzielen.“
Dave Burbrink, Tech­ni­scher Direktor bei Cold Jet

Im PSC 60 stecken nun fünf schlaue K4-Antriebs­ein­heiten von ebm-papst, die durch ihre Leis­tung und ihren geringen Strom­ver­brauch über­zeugen: eine, die das Trockeneis in varia­blen Geschwin­dig­keiten zum Mahl­werk trans­por­tiert und zwei für die Mahl­scheiben. Eine weitere kontrol­liert den Abstand zwischen den Mahl­scheiben und macht so die Größe der Eispar­tikel wählbar. Eine fünfte Antriebs­ein­heit beför­dert die kleinen bis winzigen Partikel zum Luft­strom – der sie dann mit einem Druck von 20 bis 145 psi (1,4 bis 10 bar) dem Dreck entge­gen­bläst.

Hart oder sanft

Alles zusammen ergibt einen Trocken­eisstrahler, der sämt­liche Anfor­de­rungen erfüllt, die Cold Jet an die neue Maschine stellte, und der über eine 28-stufige Regu­lie­rung verfügt. Auf der höchsten Stufe bläst der PCS 60 drei Milli­meter große Trockeneis-Körn­chen heraus, auf der nied­rigsten messen die Mikro­par­tikel 0,3 Milli­meter. „Das Spek­trum an mögli­chen Anwen­dungen, das sich damit eröffnet, ist unglaub­lich“, schwärmt Burbrink. Um nur zwei zu nennen: Der CO2-Strahl kann eine Holz­planke durch­trennen oder die Beschrif­tung einer Visi­ten­karte entfernen. „Alles mit einer Maschine!“, schwärmt er weiter.
Die Begeis­te­rung hat auch die Kollegen von Cold Jet in Polen erfasst, die an weiteren Trocken­eis­ge­räten mit dieser Tech­no­logie arbeiten.

Bislang hätten Anwender nicht die Wahl gehabt, ob sie mit demselben Strahler beispiels­weise Graf­fiti besei­tigen oder Spritz­guss­formen säubern. „Spritz­guss­formen sind sehr empfind­lich in Bezug auf Oberflächen­verunreini­gungen. Wer sie anfasst, hinter­lässt einen Finger­ab­druck, der sich dann zum Beispiel auf einem Plas­tik­teil wieder­findet. Entspre­chend schwierig ist es, diese Formen scho­nend zu reinigen. Mit unserer Ausstat­tung geht das“, sagt Burbrink – und hat schon wieder Lego­steine in den Augen.


Ein Blick ins Innere des ColdJet

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