© Bent Grønlund

Von däni­schen Dächern in die Welt

Als Schorn­stein­feger kennt Morten Bjør­klund den Ärger seiner Kunden über Kamin­rauch von nebenan. Seine Idee kann Nach­bar­schafts­streit schlichten: ein Aufsatz für den Schorn­stein.


Herr Bjør­klund, Sie sind Schorn­stein­feger und gleich­zeitig Erfinder. Wie kam es dazu?

Schorn­stein­feger bin ich schon seit 41 Jahren. In dieser Zeit bin ich auf mehr als 120.000 Dächer gestiegen. Diese Zahl allein hat aber eigent­lich nichts weiter zu bedeuten. Viele Erfah­rungen habe ich gemacht, weil ich neugierig bin: Ich habe jeden Tag mit meinen Kunden gespro­chen, genau hinge­sehen und viele Fragen gestellt. So kenne ich die Sorgen und Probleme. In Däne­mark gibt es beson­ders viele nied­rige Dächer. Wenn der Rauch aus dem Schorn­stein nicht nach oben abzieht, ist das extrem störend. Außerdem lässt sich ohne vernünf­tigen Abzug der Ofen schlechter anzünden und wenn er dann doch mal brennt, entwi­ckeln sich Ruß und Rauch — eine Beläs­ti­gung für den Haus­be­sitzer drinnen und den Nach­barn nebenan. Also hatte ich vor fünf Jahren die Idee, einen spezi­ellen Rauch­sauger für den Schorn­stein zu entwi­ckeln.

Was genau ist das, ein Rauch­sauger?

Morten Bjør­klund hat als Schorn­stein­feger jeden Tag mit seinen Kunden gespro­chen, genau hinge­sehen und viele Fragen gestellt. Jetzt ist er Erfinder. (Foto | Bent Grøn­lund)

Der Blue­Chimney ist ein Aufsatz, der auf jeden Schorn­stein gesetzt werden kann. Er saugt mithilfe eines Lüfters den Rauch aus dem Kamin­ofen, mischt ihn mit der Außen­luft, um ihn zu kühlen und zu verdünnen, und stößt den Rauch dann kraft­voll wieder aus. So bleibt der Rauch­abzug frei, die Rauch- und Rußent­wick­lung vergleichs­weise gering und die Nach­bar­schaft wird nicht vom Rauch gestört. Auch die Emis­sion von Fein­staub­par­ti­keln wird durch den Blue Chimney redu­ziert. Das ist eine Lösung, die sehr gefragt ist: Im letzten Winter haben wir in Däne­mark schon 1.000 Sauger verkauft.

Was ist denn so beson­ders an der Erfin­dung?

Der Blue­Chimney ist sehr benut­zer­freund­lich. Weil er mit Nied­rig­strom läuft, kann jeder ihn problemlos selbst montieren. Außerdem lässt sich der opti­male Zug des Schorn­steins mit einer kleinen Fern­be­die­nung bequem vom Sessel aus kontrol­lieren. So ist es möglich, das Feuer klein und die Flamme ruhig zu halten. Auf diese Weise können bis zu 20 Prozent Holz gespart werden. Hinzu kommt, dass der Rauch­sauger durch seinen kleinen EC-Motor wenig Energie verbraucht, auch weil er über einen intel­li­genten Motor verfügt, der sich auto­ma­tisch abschaltet, wann immer es sich anbietet.

So funk­tio­niert der Blue­Chimney

Der Aufsatz des Rauch­sau­gers passt auf jeden Schorn­stein. Der Lüfter zieht seit­lich Luft an und ein paten­tiertes doppeltes Kühl­system sorgt dafür, dass der Motor im Gehäuse weitest­ge­hend kühl bleibt. Dadurch kann der Blue­Chimney hohen Tempe­ra­turen stand­halten und hat eine lange Lebens­er­war­tung. Der Rauch wird zudem zehn- bis 25-mal verdünnt, bevor er kraft­voll aus dem Schorn­stein ausge­stoßen wird. Übli­cher­weise kommen iQ-Motoren in der Kälte­technik zum Einsatz.

Motor: iQ2 3620
Span­nung: 24 VDC
Gewicht: 6,8 kg

Wie sind Sie bei der Umset­zung Ihrer Idee vorge­gangen?

Zu Beginn einer Erfin­dung gibt es viele Dinge, von denen man selbst über­haupt nichts versteht. Das macht aber nichts, solange es gelingt, zu jedem Thema einen Profi zu finden, den man fragen kann. ebm-papst in Däne­mark war so jemand für mich. Die Leute konnten mir mit ihrem reichen Erfah­rungs­schatz in Sachen Lüfter und Motoren weiter­helfen. Ich habe mich regel­mäßig mit ihnen getroffen. Das war die Voraus­set­zung, um zusammen einen geeig­neten Motor zu entwi­ckeln. Eine wirk­liche Heraus­for­de­rung war es, gemeinsam ein Mate­rial zu finden, das den hohen Tempe­ra­turen des Rauchs — bis 700° Celsius — stand­hält. Der Motor, der Venti­lator, seine Elek­tronik und die Program­mie­rung sind die wich­tigsten Bausteine des Blue­Chimney. Die gute Part­ner­schaft hat die Entwick­lung der Erfin­dung deut­lich weiter­ge­bracht und besteht bis heute.

Arbeiten Sie ansonsten allein?

Nein, nicht mehr. Vor drei­ein­halb Jahren habe ich mir den perfekten Partner gesucht: Pauli Joensen. Er war zuvor Geschäfts­führer einer großen Firma und kennt sich mit dem aus, was ich nicht kann: dem Geschäft­li­chen. Zusammen haben wir unsere Firma Blue­Chimney aufge­baut. Heute haben wir vier Mitar­beiter und uns wird nicht lang­weilig. Ich selbst gehe mitt­ler­weile leider gar nicht mehr aufs Dach. Das vermisse ich schon sehr. Aber wir arbeiten gerade an einer neuen span­nenden Idee. Worum es da genau geht, kann ich noch nicht verraten. Aber auf das nächste Jahr darf man schon gespannt sein!

Wie wird sich der Blue­Chimney weiter­ent­wi­ckeln?

In Schweden, Norwegen und Deutsch­land starten wir unseren Verkauf zur nächsten Saison. Zwar gibt es in Deutsch­land im Gegen­satz zu Däne­mark oft zwei­stö­ckige Häuser und noch dazu stren­gere Gesetze zur Zulas­sung von Feuer­stellen, die Nach­frage nach sauberer Luft ist trotzdem hoch. Wir konzen­trieren uns in der nächsten Zeit auf den gesamten Norden Europas. Seit etwa einem Jahr haben wir eine neue Part­ner­schaft mit einer däni­schen Firma, die Kamine herstellt. Dadurch können Kunden unser Produkt jetzt sogar in sämt­li­chen euro­päi­schen Baumärkten kaufen. Unser Plan ist, inner­halb der nächsten vier Jahre bis zu zehn­tau­send Rauch­sauger in Europa zu verkaufen. Unsere Ziel­gruppe ist eigent­lich überall, wo es im Winter kalt wird und die Menschen mit Holz oder Pellets heizen. Auch in Amerika — dort war ich neulich im Urlaub — gibt es meiner Meinung nach einen Markt für den Blue­Chimney. Ein Patent für die USA und Kanada habe ich mir bei der Gele­gen­heit gesi­chert.

Trägt der Blue­Chimney dazu bei, dass sich die Nach­barn besser vertragen?

Anhand der Bestel­lungen können wir leider nicht nach­voll­ziehen, ob der Kunde den Rauch­sauger für sich selbst oder seinen Nach­barn kauft. Aber bei einem Gewinn­spiel, das wir zu Weih­nachten gemacht haben, hat die Gewin­nerin ihren Blue­Chimney an den Nach­barn verschenkt. Als wir davon hörten, haben wir ihr einen weiteren zu einem Sonder­preis ange­boten. Darüber haben sich alle gefreut. Es wäre eine schöne Idee, über eine „Liebe-deinen-Nachbarn“-Aktion nach­zu­denken.

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