© Foto | ebm-papst, Simon Koy

Kleines Rad, große Wirkung

Die österreichische Firma Hargassner ist Pionier des umweltschonenden Heizens und setzt als erster Hersteller überhaupt EC-Technologie in Hackgutheizungen ein


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Der Stoff, aus dem die Wärme ist: Biomasse-Heiztechnik – beispielsweise mit Hackgut – verzeichnet zweistellige Wachstumsraten

Anfangs war Dr. Johann Gruber etwas skeptisch, als Thorsten Hartl, Vertriebsleiter von ebm-papst Österreich, den Vorschlag machte, für eine neue Hackgutheizung statt eines AC- ein EC-Saugzuggebläse einzusetzen. „Eigentlich dachten wir an ein größeres Laufrad, um mehr Luftleistung zu erzielen“, erinnert sich der Entwicklungsleiter der Firma Hargassner. Der oberösterreichische Hersteller von Hackgut-, Pellets- und Stückholzanlagen aus Weng im Innkreis zählt zu den führenden europäischen Unternehmen im Bereich Biomasse-Heiztechnik – einem Markt mit zweistelligen Wachstumsraten. Hartls Vorschlag passte jedoch sehr gut zu den Zielen von Gruber und dem Juniorchef des Unternehmens Anton Hargassner: Sie suchten nach einer Lösung, die den Wirkungsgrad der Hackgutheizung steigert, die Emissionen gering hält, aber gleichzeitig weniger Strom verbraucht als die Vorgängermodelle und dabei trotzdem eine kompakte Bauweise ermöglicht.

Nach den ersten Gesprächen mit der Firma Hargassner stand für Hartl daher schnell fest: Nur ein EC-Motor kann diesen Anforderungen genügen. Trotz anfänglicher Skepsis probierte man es also mit EC-Technik, ein Novum in der Biomassebranche. „Da war ich dann schon überrascht, dass wir die Luftleistung trotz des kleineren Laufrads locker schafften, sogar noch mit Reserven.“ Dies war jedoch nur aufgrund übersynchroner Drehzahlen oberhalb von 2.800 Umdrehungen pro Minute möglich.

Zentrales Steuerungsinstrument

Keine Kleinigkeit, denn die Leistung der Heizung wird maßgeblich über den Luftdurchsatz im Heizkessel bestimmt. Das Saugzuggebläse hat damit eine Schlüsselfunktion: Es verursacht im Brennraum einen Unterdruck und erzeugt dadurch das Luftmischungsverhältnis, das für eine optimale Verbrennung nötig ist. Gemessen wird dieses Mischungsverhältnis mit der Lambdasonde, einem Sensor, der auf der Basis der gemessenen Werte die Verbrennungsluftverhältnisse regelt. Und je feiner sich der Luftdurchsatz regeln lässt, desto besser kann man die Leistung modulieren. Bei der Verbrennung von Holz ist das besonders wichtig.

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Optimale Verbrennung garantiert: Das Saugzuggebläse erzeugt im Brennraum einen Unterdruck und regelt dadurch das Luftmischungsverhältnis

Der Brennstoff, dem sich Hargassner schon seit 30 Jahren verschrieben hat, weist gegenüber anderen Energieträgern fast nur Vorteile auf: Während Öl- sowie Gaspreise stetig steigen und die Vorräte schwinden, wachsen Bäume nach und liefern Brennmaterial, dessen Kosten seit Jahren konstant und weit unter denen fossiler Brennstoffe bleiben. Zudem gibt der nachwachsende Rohstoff bei seiner Verbrennung nur so viel Kohlendioxid ab, wie er während seines Wachstums aufgenommen hat, und ist damit klimaneutral.

Der Gesetzgeber wird bezüglich der zulässigen Emissionen immer restriktiver, daher ist das ein wichtiger Knackpunkt bei der Entwicklung. Die Emissionswerte lassen sich nur reduzieren, wenn das Holz optimal abbrennt, was wiederum von den Eigenschaften des Saugzuggebläses abhängt. Damit dieses läuft, braucht es jedoch Strom. Die zweite große Herausforderung war daher, die elektrische Leistungsaufnahme so gering wie möglich zu halten – schließlich ist das Saugzuggebläse bis zu 2.500 Stunden im Jahr im Einsatz. „Der Verbraucher schaut schon sehr genau hin, was er zusätzlich zu den Brennstoffkosten an elektrischem Verbrauch hat“, betont Hargassner. Das bestätigt auch Hartl: „Die Leistungsaufnahme ist heute einfach der Benchmark, da werden beim Kauf die Entscheidungen getroffen.“

Sparsam, kompakt und leistungsstark

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Endmontage des Gebläses bei Hargassner

Mit der EC-Technologie von ebm-papst schafft es Hargassner, den Stromverbrauch des neuen Heizgeräts um 50 Prozent zu reduzieren. „Mit dieser geringen Leistungsaufnahme sind wir jetzt branchenführend“, freut sich Hargassner. Zudem ermöglicht der Gleichstrommotor eine stufenlose Drehzahlregelung und damit eine perfekte sowie emissionsarme Verbrennung. „Bei der Prüfstelle wurde uns gesagt, dass wir die Einzigen sind, die solch niedrige Emissionen haben“, verdeutlicht Gruber den Vorsprung. „Gerade im kleinen Drehzahlbereich können wir jetzt einen viel besseren Wirkungsgrad erreichen.“ Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass das flache Laufrad eine kompakte Bauweise erlaubt. „Bei einem AC-Motor hätten wir für diese Leistungen ein größeres Modell nehmen und dazu ein riesiges Saugzuggehäuse aufbauen müssen.“ Hinzu kommt, dass die Montage denkbar einfach ist. „Das EC-Saugzuggebläse haben wir so angepasst, dass Hargassner nur noch vier Schrauben festziehen und die Spannungs- und Steuerleitung anschließen muss“, erklärt Hartl.

Gelungene Kooperation

Die neue Hackgutanlage ist seit März 2013 unter dem Namen ECO-HK auf dem Markt und ist vor allem für Kunden aus der Landwirtschaft sowie der Gewerbeindustrie gedacht. Das österreichische Umweltministerium und das Land Oberösterreich zeichnen die Anlage bereits mit dem Innovationspreis „Energiegenie 2013“ aus. „Das ECO soll verdeutlichen, dass wir in Sachen Effizienz das Beste reingesteckt haben“, so Gruber. „Was die Qualität angeht, wollen wir nämlich keine Kompromisse eingehen – und die stimmt bei ebm-papst.“ Seit 2006 arbeiten die beiden Unternehmen zusammen, eine Kooperation, von der jede Seite profitiert. Der Einsatz hat sich gelohnt, wie Gruber bestätigt: „Natürlich haben wir schon weitere Pläne in der Schublade, was EC-Technik betrifft.“

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