© Foto | Jan Hosan

Ordent­lich Durch­lauf im Lager

Ein neues Palet­ten­durch­lauf­regal ermög­licht dem Futter­mit­tel­zu­lie­ferer Miavit hohen Durch­satz mit abso­luter Produkt­si­cher­heit. Und weil die Durch­lau­fe­benen nur die Hälfte der übli­chen Neigung haben, sparte es dem Unter­nehmen auch mehrere hundert­tau­send Euro.


Land­kreis Clop­pen­burg, mitten auf dem flachen nieder­säch­si­schen Land. Links und rechts der Land­straße liegen alle 500  Meter Bauern­höfe. Neben den Back­stein­wohn­häu­sern große, flache Hallen. Auf jeden der 165.000 Einwohner der Region südwest­lich von Bremen kommen rund 87 Nutz­tiere. Der Land­kreis ist von der Nahrungs­er­zeu­gung geprägt. Knapp zwei Millionen Schweine, 170.000 Rinder, neun Millionen Hühner und drei Millionen Puten werden hier gehalten. Deren Wohl­ergehen ist für die Gegend von enormem Inter­esse.

Präven­tion statt Medi­ka­tion

Alex­ander Schröer ist mit dem Zustand der gela­gerten Ware zufrieden: Das neue Durch­lauf­regal verhin­dert Beschä­di­gungen. (Foto | Jan Hosan)

Das war auch schon vor 50 Jahren so, als sich der Tier­arzt Dr. Hans Niemeyer intensiv mit Vormi­schungen für Tier­futter beschäf­tigt. Sein Motto: Präven­tion statt Medi­ka­tion. Schon bald gründet er die Miavit. Der Name steht für Mine­ral­stoffe, Amino­säuren, Vitamine. Seit 1964 hat sich das Unter­nehmen zum deut­schen Markt­führer auf dem Gebiet dieser so­genannten Premixe entwi­ckelt. Die stellt es am Stamm­sitz im beschau­li­chen 8.000-Seelen-Ort Essen in vielen verschie­denen Formen und Mengen her: Tabletten, Pulver, Flüs­sig­keiten. In den vergan­genen Jahren belie­ferte man von hier aus auch immer mehr Kunden auf der ganzen Welt. Inzwi­schen macht der Export 50 Prozent des Geschäfts aus. Dabei stieß das Fami­li­en­un­ter­nehmen mit 360 Mitar­bei­tern an seine Grenzen.

Sie betreten Neuland

„Wir haben hier mehrere Produk­ti­ons­stätten“, erklärt Alex­ander Schröer, Abtei­lungs­leiter Technik bei Miavit. „Die Waren für unsere Kunden bereit­zu­stellen, erfolgte mehr oder weniger händisch. Das war fehler­an­fällig und beim Verladen mit den Stap­lern bekamen wir so langsam Platz­pro­bleme.“ Die Unter­neh­mens­lei­tung entschied, ein Logis­tik­zen­trum zu bauen. Hier wollte man die Premixe aus den Werken zusam­men­führen und schnellst­mög­lich für den Kunden bereit­stellen. Das Herz der neuen Halle: ein auto­ma­ti­siertes Regal­lager. „Wir haben uns einige Systeme ange­schaut und dann die Firma Bito Lager­technik einge­laden“, erin­nert sich Schröer.

Stephan Klotzke biegt am 14. Oktober 2014 auf den Hof von Miavit mit seinen ocker­gelben Werks­ge­bäuden ein. Der Gebiets­ver­kaufs­leiter bei Bito für den Raum Bremen ist nicht zum ersten Mal hier. Vor Jahren hat er dem Unter­nehmen ein Schmal­gang­regal instal­liert. Doch das Vorhaben, das ihm Geschäfts­führer Lukas Midden­dorf heute präsen­tiert, ist eine Nummer größer — und wird auch für Bito Neuland sein. „Beim ersten Brain­stor­ming im kleinen Kreis blieben ein paar Systeme in der Auswahl.“

Doch fünf Gesprächs­runden später ist klar, dass nur ein Palet­ten­durch­lauf­regal mit den gestellten Anfor­de­rungen zurecht­kommt. Denn unter­schied­liche Palet­ten­typen mit vielen ­verschie­denen ­Gebin­de­arten müssen reibungslos beför­dert werden. „Allein bei den Säcken haben wir ganz unter­schied­liche Schütt­dichten, von proper bis locker“, beschreibt Schröer die Viel­falt und fügt eine weitere wich­tige Heraus­for­de­rung an: „Da wir zum Teil mit Gefahrgut arbeiten, hätten wir bei einer Höhe von über 7,50 Metern immense Auflagen erfüllen müssen, unter anderem eine teure Sprink­ler­an­lage.“

Kontrolle statt Schwer­kraft

Das PROflow active ermög­licht das problem­lose Hand­ling von unter­schied­lichsten Gebin­de­arten und Palet­ten­typen. (Foto | Jan Hosan)

Das PROflow active von Bito über­zeugte daher die Miavit-Verant­wort­li­chen. Im Gegen­satz zu herkömm­li­chen Durch­lauf­re­galen mit ihren vier Prozent Neigung kommt es mit nur zwei Prozent bei den Durch­lau­fe­benen klar. Bei Miavit erreicht das drei­stö­ckige Lager daher nur 7,50  Meter Höhe. Der Clou: Es arbeitet nicht wie sonst üblich mit der Schwer­kraft, um die Paletten auf der Bahn von der ­Beschi­ckungs- zur Entnah­me­seite zu bewegen, sondern mit elek­tri­schen Antrieben in den Rollen. „Diese Fähig­keit hebt es von markt­üb­li­chen Durch­lauf­re­galen, die mit der Schwer­kraft arbeiten, ab“, betont Alex­ander Lang, Produkt­ma­nager bei Bito, der das PROflow active seit der Markt­ein­füh­rung betreut. „Das war auch für uns ein Novum.“

Dank der Anlauf­un­ter­stüt­zung durch die Antriebe kommt das Durch­lauf­regal auch mit verschie­densten Gebinden zurecht. Auf Bahnen, die mit der Schwer­kraft arbeiten, rollen die Paletten selbst­ständig nach, sobald vorne eine entnommen wird. Wenn sie aufein­an­der­treffen, entsteht ein Impuls. „Im Alltag tritt oft ein Über­pa­cken der Palette auf“, sagt Schröer. „Die Verpa­ckung ragt dann über die Palette hinaus. Ein Impuls kann die Verpa­ckung beschä­digen und die Ware unbrauchbar machen.“ Die Antriebe im PROflow active können die Paletten mit Abstand zuein­ander durch die Bahn laufen lassen, damit es zu keiner Berüh­rung kommt.

So funk­tio­niert das PROflow active

Bito setzt für die Anlauf­un­ter­stüt­zung auf eine gemeinsam mit ebm-papst entwi­ckelte Antriebs­lö­sung. Das Komplett­system besteht aus einem Antrieb mit inte­grierter Elek­tronik sowie Getriebe und wird in einem Rohr mit Verka­be­lung und Anschraub­mutter gelie­fert. „Damit haben wir eine äußerst einfache Montage in die Trag­rolle“, sagt ­Alex­ander Lang erfreut.

„Der Antrieb hebt das PROflow active von markt­üb­li­chen Durch­lauf­re­galen ab.“
Alex­ander Lang, Produkt­ma­nager bei Bito Lager­technik

Alex­ander Schröer lächelt eben­falls, als er an dem drei­stö­ckigen Durch­lauf­regal mit seinen 30 Reihen vorbei­läuft und dabei ab und an einem Stapler Platz macht. Der gesamte Block kommt ohne Zwischen­gänge aus, Betrieb ist nur auf der Entnah­me­seite — scheinbar. Wenn Ware aus den Werken an der Wech­sel­brücke ankommt, setzt ein Stapler sie auf die Förder­technik. Diese bestückt ein Regal­be­dien­gerät, das auf der Rück­seite voll­au­to­ma­tisch die Paletten in den rich­tigen Kanal einla­gert. Von dort rollen die Paletten nach­ein­ander in Rich­tung Entnah­me­seite, wo sie durch die Stapler entnommen werden.

Das ermög­licht einen deut­lich schnel­leren Durch­lauf als früher — und damit auch eine zeit­nahe Produk­tion. So schleust Miavit heute rund 500 Paletten pro Tag durch das Logis­tik­zen­trum. „Damit sind wir ein paar Monate nach Inbe­trieb­nahme schon bei 85 Prozent Auslas­tung“, sagt Schröer und runzelt die Stirn: Da wird demnächst viel­leicht eine Erwei­te­rung nötig.

 

Bitte füllen Sie folgende Felder aus: Kommentar, Name & E-Mail-Adresse (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht). Bitte beachten Sie dazu auch unsere Datenschutzerklärung.