Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat ebm-papst in das 2006 eingerichtete Umwelttechnik-Board berufen. Drei Fragen von mag° an Sigmar Gabriel.
Sagen Sie mal, Herr Gabriel
Herr Gabriel, welche neuen Erkenntnisse haben die ersten Sitzungen des Umwelttechnik-Boards für Ihre Arbeit gebracht?
Viele Unternehmensvertreter sind in Umweltfragen schon wesentlich weiter als das die öffentliche Debatte oder Verbandsäußerungen manchmal nahe legen. Mit der Einrichtung des Umwelttechnik-Boards habe ich Vertreter von Unternehmen, Gewerkschaften und Wissenschaftler gebeten, mich zu aktuellen Fragen der Umweltpolitik zu beraten. Der direkte Draht, der Dialog mit diesen Experten ist für mich sehr wertvoll. Er zeigt mir neue Perspektiven und Blickwinkel, die in der Tagespolitik manchmal etwas zu kurz kommen. Wir haben offen und auch durchaus kontrovers zentrale Themen der Umweltpolitik erörtert. Wie wir umweltpolitische Strategien z.B. zur Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz diskutieren, ist für mich eine wichtige Bereicherung.
Was wünschen Sie sich von der deutschen Wirtschaft zur Bewältigung der ökologischen Herausforderungen?
Die deutsche Wirtschaft hat teilweise schon erkannt, dass sich die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens verändert haben und die Unternehmensstrategien sowie die Geschäftsmodelle neu justiert werden müssen. Die Konsequenzen des Klimawandels sowie die Verknappung und Verteuerung von Rohstoffen und Energie sind bereits deutlich spürbar. Ich wünsche mir von der deutschen Wirtschaft dreierlei: 1., Dass sie die umwelt- und klimapolitischen Herausforderungen vor allem als eine Chance für Erfolg begreift, 2., Dass sie das Thema „Effizienz“ ernsthaft angeht und der Devise folgt, ein „Mehr“ an Gütern mit einem „Weniger“ an Umweltressourcen zu produzieren, 3., Dass sie die großen Chancen auf den Zukunftsmärkten Energieeffizienz, nachhaltige Wasserwirtschaft, nachhaltige Mobilität, Energieerzeugung, Rohstoff- und Materialeffizienz sowie Abfall- und Kreislaufwirtschaft für ökonomischen Erfolg, Beschäftigung und Qualifizierung nutzen kann. Unsere ambitionierte Umweltpolitik hat wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, dass deutsche Unternehmen vielfach Marktführer sind und die deutsche Wirtschaft einen Spitzenplatz beim Export von Umweltschutzgütern einnimmt.
Was kann die Wirtschaft in dieser Frage von der Politik erwarten?
Wir setzen auf Innovation, mehr Klimaschutz und Ressourceneffizienz und Schaffung von neuen, dauerhaften Arbeitsplätzen. Wir werden den eingeschlagenen Weg unserer ökologischen Industriepolitik weiter fortsetzen. Denn eines ist, wie auch unser jüngster Umweltwirtschaftsbericht zeigt, klar: Gute Umwelt schafft gute Arbeit. Gerade in der derzeitigen Krise müssen wir auf nachhaltige Investitionen und zukunftsfeste Arbeitsplätze setzen. Ich bin mir sicher: Die im letzten Jahr gestartete Klimaschutzinitiative wird sich als wirkungsvolles Instrument im Rahmen des Konjunkturprogramms der Bundesregierung erweisen. Schon deshalb werde ich den Dialog mit der Wirtschaft für eine nachhaltige Modernisierung unserer Gesellschaft fortsetzen.

