© Anna Schroll

Weg mit der Hitze

Das Kühlwasser in einem Dresdner Gaskraftwerk gibt seine Hitze über Wärmetauscher auf dem Dach ab. Doch die verhageln die Effizienzbilanz. Dann machen die Betreiber einen radikalen Schnitt – und sparen fast 90 Prozent Energie.


Das Hightech-Herz Dresdens schlägt weit außerhalb der weltberühmten Barockaltstadt an einem Zubringer zur A4: Auf einem Feld im Nichts steht ein Fabrikklotz, umgeben von Parkplatzlandschaften. Vom nahen Flughafen wehen Startgeräusche herüber. Hier baut Globalfoundries winzigste Transistoren auf Halbleitern. Neben der Chipfabrik ragen zwei Schornsteine eines Kraftwerks in den Himmel. Andreas Büttner von Zeppelin Power Systems ist hier der Obermonteur der Servicetechnik: „Wir liefern elektrische Energie und Prozesswärme für die Chipfabrik.“

Die Firma EVC betreibt das exklusive Gaskraftwerk und die Servicetechniker von Zeppelin Power Systems kümmern sich täglich darum, dass die Anlagen einwandfrei funktionieren. „Für die Chipherstellung braucht man ein extrem stabiles Netz mit höchstmöglicher Spannungs- und Frequenzstabilität. Das können öffentliche Netze in dem Maße nicht leisten. Außerdem liefern wir auch, wenn es um uns herum mal einen Stromausfall gibt. Darum gibt es dieses Gaskraftwerk hier.“

Zwei Tischkühler pro Motor

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Sicherheit geht vor: Andreas Büttner überprüft regelmäßig die Drucklufttanks. (Foto | Anna Schroll)

In kellerartigen Räumen brüllen die Gasmotoren. Je 16 Zylinder pro Motor treiben die Kurbelwelle eines Generators an und liefern im Volllastbetrieb vier Megawatt Energie pro Stunde. Rote Kabel führen vom Generator in den Boden. Darin fließt der produzierte Strom ab. Zusätzlich liefert das Kraftwerk noch Wasser in zwei Temperaturen — 32 und 80 Grad Celsius — und Wasserdampf für Absorber des EVC. Dazu nutzen die Betreiber die immense Abwärme der Motoren und Generatoren, die sie über einen Kühlwasserkreislauf abführen. 65.000 Liter Wasser pro Minute rauschen an den heißen Motorteilen vorbei.

Anfangs hat das Kühlwasser eine Temperatur von 75 Grad Celsius, danach von rund 96 Grad Celsius. „Nachdem wir die Hitzeenergie für die Chipfabrik über Wärmetauscher entkoppelt haben, hatte das Wasser immer noch rund 90 Grad — viel zu heiß, um damit wieder den Motor zu kühlen. Also muss noch mehr Wärme raus aus dem Wasser. Dazu haben wir für jeden Motor zwei Tischkühler auf dem Dach“, erklärt Büttner und steigt die Stufen hoch.

„Die EC-Ventilatoren kommen mit 89 Prozent weniger Strom aus. Ich dachte zuerst, ich hätte mich verrechnet.“
Andreas Büttner Obermonteur bei Zeppelin Power Systems

Auf dem Dach fließt das heiße Kühlwasser durch Rohre mit winzigen Aluminiumlamellen, den sogenannten Tischkühler. Darüber saugen Axialventilatoren die Umgebungsluft von unten an und blasen die Wärme in den Himmel. Die Luft über den Ventilatoren flirrt vor Hitze. Büttner lehnt sich dennoch darüber: „Vor zwei Jahren hätte man sich hier oben kaum unterhalten können. Da liefen hier 192 alte, ungeregelte Ventilatoren, immer volle Pulle. Die fraßen uns den Strom weg. Jeden Monat mussten wir zehn davon reparieren, weil ihrer Elektronik die Hitze nicht bekam. Da wussten wir, jetzt muss etwas geschehen.“

Büttner ließ zur Probe zunächst zwei Tischkühler auf EC-Ventilatoren mit FlowGrid-Vorleitgittern und AxiTop-Diffusoren umrüsten. Je nach Temperatur der Umgebungsluft und Leistung des Gasmotors regelt sich der EC-Motor des Ventilators selbst, sodass an gewöhnlich warmen Tagen 25 Prozent Motorleistung ausreichen. Nach ein paar Monaten überprüfte Büttner die Ergebnisse: „Die EC-Ventilatoren kamen mit 89 Prozent weniger Strom aus. Ich dachte zuerst, ich hätte mich verrechnet, aber es stimmte. 30 Prozent der Ersparnis gingen auf den effizienteren Ventilatormotor zurück, 70 Prozent auf den regelbaren Betrieb.“

Die Umwelt freut’s

Ein Jahr später ließ Büttner auch die restlichen 168 Ventilatoren wechseln. Seither summen sie leise und störungsfrei vor sich hin. Büttner lehnt immer noch am AxiTop, als er sagt: „Pro Jahr sparen wir uns jetzt über 1,1 Millionen Kilowattstunden — diesen Strom müssen wir also gar nicht erst produzieren. Für Klima und Umwelt bedeutet das: weniger Erdgas, weniger Abgase und ganze 613 Tonnen weniger Kohlendioxid.“ Büttner schaut übers Dach in die Weite. „Wir bei Zeppelin Power Systems nehmen Umweltschutz sehr ernst. Ich sag immer: Wir wollen hier ja noch was übrig lassen für unsere Kinder.“ Zwei Kilometer Luftlinie entfernt startet ein Flugzeug — 192 arbeitende Ventilatoren und man kann es trotzdem hören. 

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